Von Christian Risch
Hamburg/Kiel - Auch im Norden Deutschlands kommen Erkrankungen von Menschen mit dem Hantavirus vor - allerdings mit einem weniger gefährlichen Virentyp als dem, der zu Todesopfern unter Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Hondius" geführt hat.
Seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 seien in Schleswig-Holstein insgesamt 154 Infektionen mit den in Deutschland vorkommenden Hantaviren gemeldet worden, so Professor Helmut Fickenscher, der Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Im Jahr 2024 seien es drei Meldungen gewesen, 2025 vier Meldungen und in diesem Jahr bisher zwei - jeweils ein Fall im Januar und im Februar. "Hierbei handelt es sich in der Regel um den Hantavirus-Typ Dobrava, der in Schleswig-Holstein vorkommt", sagt der Kieler Virologe.
Die letzten beiden Hantavirus-Fälle in Hamburg liegen bereits zwei Jahre zurück. In den vergangenen zehn Jahren wurden in der Hansestadt insgesamt 21 Fälle registriert, wie eine Sprecherin der Hamburger Sozialbehörde sagte. Todesfälle habe es nicht gegeben.
Auch eine Infektion mit dem gefährlichen Andesvirus sei bei keinem der in Hamburg gemeldeten Hantavirus-Fälle nachgewiesen worden. Das Andesvirus verursache gelegentlich Infektionsfälle zum Beispiel in Argentinien. Mindestens eine Person habe sich offenbar vor der Reise auf dem Festland in Südamerika mit dem Virus infiziert, sagt der Professor.
Auf dem Schiff sei es dann offenbar zu Übertragungen auf andere Menschen gekommen, allerdings bisher nur auf wenige Personen. "Das ist Zufall und nur sehr selten zu erwarten", sagt der Mediziner.
Infektionsgefahr mit Andesvirus in Deutschland sehr niedrig
Die Gefahr einer Infektion mit dem gefährlichen Andesvirus sei in Deutschland "extrem niedrig", sagt der Virologe. Allerdings könne es hier bei uns zu Infektionen mit dem Hantavirus des Dobrava- oder des Puumala-Typs kommen, die aber allenfalls eine sehr niedrige Sterblichkeit aufweisen würden.
Menschen können sich vor einer Ansteckung mit Hantaviren schützen, indem sie sich von wilden Nagetieren wie Mäusen und Ratten fernhalten und, soweit möglich, vermeiden, die trockene Ausscheidung der Nagetiere einzuatmen, rät der Virologe.
Die einzelnen Hantavirus-Typen seien sehr eng auf spezifische wilde Mausarten beschränkt, sagt Fickenscher. "Am ehesten erfolgt in Deutschland die Infektion beim Kehren und Reinigen wenig genutzter Räume wie Abstellschuppen oder Ferienhäuschen", erklärt er abschließend.