Leipziger Virologe über Viren-Ausbrüche: Gefahr steigt, "dass es vielleicht sogar häufiger wird"
Leipzig - Drei Tote und fünf weitere Infizierte, so die bisherige Bilanz des Hantavirus seit dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "MV Hondius". Auch die "MDR Umschau" befasste sich nun mit dem Thema und griff dabei Kritik der "Hondius"-Passagiere auf. Hat die Crew zu spät reagiert?
"Leute, die das Virus hätten tragen können, hätten in Quarantäne sein sollen. Trotzdem wurde zusammen gegessen und gemeinsame Gruppenaktivitäten wurden fortgeführt", beklagt in der Sendung der türkische YouTuber Ruhi Cenet (35), der sich bis zum 24. April an Bord der Hondius befand.
Tatsächlich beschreibt auch die "Umschau", dass die Crew des Kreuzfahrtschiffes nach dem ersten Todesfall zunächst weitergemacht habe wie bisher. Das Virus war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht nachgewiesen.
Der Schiffsarzt habe bestätigt, dass keine Infektionsgefahr besteht. Erst einen Monat nach Beginn der Reise wurde bei einem Passagier das Virus bestätigt. Daraufhin habe die Crew umgehend reagiert und entsprechende Protokolle eingeleitet.
Prof. Dr. Christoph Lübbert, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin, betonte in der Sendung, dass für das Vorgehen niemandem ein Vorwurf gemacht werden könne. "Das ist noch nie in diesem Kontext aufgetreten, eine Kreuzfahrt mit Andesvirus-Infektion."
Ihm zur Seite sprang Schiffsarzt Dr. Christian Ottomann. "Natürlich hat die Kreuzfahrtindustrie bestimmte Virus-Bestimmungsmöglichkeiten, aber dazu gehören nur die bekannten Viren, wie zum Beispiel Norovirus oder Influenza. Wir haben Schnelltests beispielsweise für Malaria. Aber der Hantavirus ist so exotisch."
Ausbruch des Hantavirus: "Glaube, in der globalisierten Welt kann sowas immer wieder passieren"
Wie das Virus auf das Schiff gelangt ist, bleibt weiter unklar. Am 11. April war ein Niederländer (†70) an Bord gestorben. Er gilt als Patient null, soll es in Argentinien mit seiner Frau (†69) betreten haben, heißt es unter anderem in der Frankfurter Rundschau.
Sie starb gut zwei Wochen nach ihm, allerdings in einer Klinik im südafrikanischen Johannesburg.
Laut "MDR Umschau" würde das Hantavirus bekanntlich von Ratten übertragen. Gegenüber TAG24 erklärte Prof. Lübbert ebenfalls, dass nicht der Mensch, sondern Nagetiere der natürliche Wirt des Virus seien.
Diese gebe es aber auf Kreuzfahrtschiffen in der Regel nicht. "Wahrscheinlich wird sich die Herkunft des Virus nie genau klären lassen", heißt es in der Sendung.
"Ich glaube, in der globalisierten Welt, mit der von uns allen erwünschten Freiheit der Bewegung und des Reisens, kann sowas immer wieder passieren. Und da wir ja immer tiefer in die entfernten Regionen der Welt als Menschen vordringen, steigt die Gefahr auch, dass es vielleicht sogar häufiger wird", so Prof. Lübbert.
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