Schock sitzt nach Terroranschlag beim CSD in Berlin tief: Gewinnen soll die Angst aber nicht
Von Mona Wenisch
Darmstadt - Angst darf nicht die Oberhand gewinnen! Der Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin hat bei der Community in Hessen zu Bestürzung, allerdings auch zu Widerstand geführt.
Aus dem Organisationsteam des Darmstädter CSD seien viele Menschen vor Ort gewesen, sagte Jan Bambach vom CSD in Darmstadt. Um sie habe man sich nach der Nachricht über den Anschlag Sorgen gemacht. "Das war eine absolut unschöne Nacht."
Als feststand, dass es den Menschen gut gehe, habe man eine Mahnwache organisiert. Zu der seien am Sonntag 350 Menschen gekommen.
"Das hat schon mal sehr dabei geholfen zu kontextualisieren zusammen, auch ein bisschen zu verarbeiten, um zu zeigen, dass wir uns jetzt erst recht nicht verstecken werden", sagte Bambach.
Der CSD in Berlin war am Samstag abgebrochen worden, nachdem ein Fahrzeug am Rande der Großveranstaltung in Passanten gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt.
Am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul B. bei einem Polizeieinsatz aufgespürt und letztlich getötet.
Darmstädter CSD findet am 15. August unter Motto "Zeig dich für uns alle" statt
In Frankfurt am Main fand der CSD in diesem Jahr bereits statt. In anderen Städten steht er aber noch an - etwa in Schlüchtern am kommenden Samstag sowie in Darmstadt, Bad Hersfeld und Friedberg.
Der Darmstädter CSD finde am 15. August unter dem Motto "Zeig dich für uns alle" statt - das Motto habe noch mal eine neue Bedeutung bekommen, führte Bambach nun aus. "An unseren politischen Forderungen wird das erst mal nichts ändern."
In der Community gebe es jedoch durchaus sehr unterschiedliche Meinungen, sagte er. "Meine ist die, dass ein CSD kein Safe Space ist", schilderte er. "Wir sind in der Öffentlichkeit und es können sehr viele unberechenbare Dinge passieren."
Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas Schlimmes wie in Berlin auch in Darmstadt passiere, sei den Angaben zufolge allerdings sehr niedrig. Für den CSD habe man dementsprechend schon vor langer Zeit ein ausführliches Sicherheitskonzept erarbeitet.
"Wir hatten ein Konzept, das uns sicher genug schien." Vom Ordnungsdezernenten hätten das Organisationsteam aber am Sonntag die Nachricht bekommen, dass man sich noch mal zusammensetzen werde. "Unser Ziel ist es, maximale Sicherheit zu haben", sagte Bambach. Man habe etwas mehr als 30 Ordner und Ordnerinnen im Einsatz.
Sonja Romeis aus CSD-Organisationsteam: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"
Sonja Romeis ist im Organisationsteam des CSD in der Wetterau, wo dieser am 22. August in Friedberg geplant ist. "Wir sind natürlich schwer erschüttert", sagte sie nach der Tat. "Unsere ganzen Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen."
Beim CSD in der Wetterau seien die Teilnehmer und Teilnehmerinnen im vergangenen Jahr bereits von "rechtsextremen Gegendemonstranten bedroht" worden. "Deswegen ist uns auch schon vorher bewusst gewesen, dass CSDs immer noch sehr stark bedroht werden", erklärte Romeis.
Berlin reihe sich in eine lange Reihe von queerfeindlichen Straftaten ein, "die jetzt einen Höhepunkt bekommen haben". "Wir sind sehr wütend darüber, dass das so ist", so Romeis. "Und auch dass die Politik nichts dagegen macht."
Der CSD in Friedberg werde nach aktuellem Stand stattfinden. "Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir sind weiterhin laut." Das sagte auch Bambach: "Viele von uns haben diese 'Jetzt erst recht'-Mentalität. Und da gehe ich gerne mit."
Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

