Heute vor 70 Jahren: Die DDR beschließt die Gründung ihrer eigenen Armee

Heute vor 70 Jahren, am 18. Januar 1956, beschloss die Volkskammer der DDR den Aufbau eigener Streitkräfte. Dieser Schritt ebnete den Weg für die spätere Gründung der Nationalen Volksarmee - ein Wendepunkt der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Welche Ereignisse sich noch jähren, erfährst Du unter "heute vor ... Jahren".

Vereidigung erster NVA-Einheiten im April 1956.  © Wikimedia Commons/Bundesarchiv/Bild 183-37818-0004/CC-BY-SA 3.0 , CC BY-SA 3.0 DE

Um den jungen sozialistischen Staat politisch und militärisch abzusichern, wurde von der Volkskammer der DDR am 18. Januar 1956 die Entstehung des sogenannten "Ministeriums für Nationale Verteidigung" beschlossen. Diesem sollte die neu gebildete Nationale Volksarmee (NVA) unterstellt sein.

Hintergrund war die Teilung und militärische Entwaffnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die wachsende Konfrontation im Kalten Krieg.

Die Gründung der Bundeswehr 1955 in Westdeutschland sorgte zusätzlich für Verunsicherung und verstärkte in der DDR den Druck, eigene Streitkräfte aufzubauen, um ihre Souveränität und die Sicherheit des sozialistischen Systems zu gewährleisten.

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Die formale Gründung der NVA erfolgte am 1. März 1956, als das entsprechende Gesetz in Kraft trat. Damit nahm die Armee offiziell ihre Tätigkeit auf. Struktur, Kommandokette und Dienstgrade wurden verbindlich geregelt.

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Woraus die Nationale Volksarmee hervorging

Die NVA ging aus der bereits bestehenden Kasernierten Volkspolizei (KVP) der DDR hervor. Einfach ausgedrückt handelte es sich dabei um eine bewaffnete Einheit, die sowohl Polizei- als auch Armeeaufgaben übernahm.

Die KVP besaß also bereits militärische Strukturen, Kasernen und Personal, die nun in die Nationale Volksarmee überführt wurden.

Anders als die Bundeswehr in Westdeutschland war die NVA zu Beginn eine reine Freiwilligenarmee. Es gab jedoch nicht genug Freiwillige.

Erst mit Einführung der Wehrpflicht 1961/1962 konnte eine angemessene Personalstärke von etwa 170.000 Soldaten erreicht werden.

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Aufgaben der NVA

Die Nationale Volksarmee hatte mehrere zentrale Aufgaben:

  • Landesverteidigung: Sie sollte die DDR im Falle eines militärischen Angriffs schützen.

  • Politische Sicherung: Die Armee war eng an die SED-Führung gebunden und sollte das sozialistische System stabilisieren.

  • Integration in den Ostblock: Als Mitglied des Warschauer Pakts war die NVA Teil der militärischen Strategie des Ostblocks.

  • Wehrpflicht und gesellschaftliche Prägung: Ab 1962 diente die Wehrpflicht dazu, junge Männer auszubilden und gleichzeitig an die Ideale des Staates heranzuführen.

Die NVA war somit nicht nur Verteidigungsinstrument, sondern auch ein Mittel politischer Kontrolle und ideologischer Erziehung.

Ende der NVA und heutige Bedeutung

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die Nationale Volksarmee aufgelöst. Teile des Materials und ausgewähltes Personal gingen in die Bundeswehr über.

Heute steht die Geschichte der NVA für die sicherheitspolitischen Zwänge der DDR und für ein zentrales Kapitel der deutschen Teilung.

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