Heute vor 6 Jahren, am 30. Januar 2020, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die weltweite Ausbreitung des Coronavirus reagiert. Nach einer Sitzung des zuständigen Notfallausschusses erklärte die WHO die Lage erstmals zum internationalen Gesundheitsnotstand.
Welche weltweiten Ereignisse sich außerdem jähren, erfährst Du hier: Heute vor ... Jahren.
In der offiziellen WHO-Erklärung vom 30. Januar 2020 hieß es unter anderem, dass die WHO-Führung "… den Ausbruch des neuartigen Coronavirus für eine Notlage von internationaler Tragweite erklärt hat".
Grundlage für diese Entscheidung war, dass der Ausbruch des 2019-nCoV-Virus (später COVID-19) die Kriterien für eine weltweite Notlage erfüllte.
Zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass ...
- Infektionen mit dem neuartigen Virus bereits in mehreren Ländern außerhalb Chinas nachgewiesen wurden.
- eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist.
- es international koordinierter Maßnahmen bedurfte.
Gleichzeitig betonte die Organisation, dass sich die weltweite Datenlage noch in einer frühen Phase befand und viele Fragen zum Virus offen waren.
Was der internationale Gesundheitsnotstand bedeutet
Mit der Einstufung als gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite (kurz: GNIT, engl. public health emergency of international concern, kurz: PHEIC) nutzt die WHO ihr höchstes Warninstrument.
Ziel ist es, Staaten frühzeitig zu informieren und eine koordinierte internationale Reaktion zu ermöglichen. Der Status soll den Austausch von Informationen und die Vorbereitung von Gesundheitssystemen erleichtern.
Der WHO-Generaldirektor erklärte, dass die Entscheidung nicht allein wegen der Situation in China getroffen wurde. Ausschlaggebend war vor allem die Sorge, dass sich das Virus in Länder mit begrenzten medizinischen Kapazitäten ausbreiten könnte.
Durch die Erklärung des Notstands sollten Staaten mit schwächeren Gesundheitssystemen besser unterstützt und frühzeitig vorbereitet werden.
Unterschied zwischen internationalem Gesundheitsnotstand und Pandemie
Am 11. März 2020 erklärte die WHO die Infektionskrankheit COVID-19 offiziell zur Pandemie.
Während die gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite ein formal definierter Rechtsbegriff der WHO
mit klaren Kriterien,
geregelten Entscheidungsstrukturen und
rechtlichen Verpflichtungen für die Mitgliedstaaten ist,
beschreibt der Begriff Pandemie lediglich die weltweite Ausbreitung einer Krankheit, ist jedoch rechtlich nicht genau geregelt.
Es gibt keine festgelegten Entscheidungsprozesse, keine einheitlichen Kriterien und keine völkerrechtlich bindenden Vorgaben für staatliche Reaktionen.
Bei einer Pandemie entscheidet jedes Land praktisch selbst, welche Maßnahmen es trifft - beispielsweise Lockdowns, Maskenpflicht, Impfungen.
Im Mai 2023 erklärte die WHO den weltweiten Gesundheitsnotstand zwar für beendet, machte gleichzeitig aber deutlich, dass das Virus weiterhin gefährlich bleibt und neue Varianten entstehen können. Die Pandemie war damit nicht automatisch vorbei, sondern nur der internationale Ausnahmezustand, den sie ausgelöst hatte.