Heute vor 11 Jahren, am 26. August 2015, wurde bei Parndorf ein abgestellter Kühl-Lkw entdeckt. Im Inneren lagen die Leichen von 71 Menschen. Was die Ermittler anschließend herausfanden, erschütterte weit über Österreich hinaus.
Bewegende Ereignisse aus aller Welt gibt es hier: heute vor ... Jahren.
Die Flüchtlinge hatten sich auf den Weg nach Europa gemacht, um von Ungarn aus nach Österreich einzureisen. Sie stammten aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran.
Insgesamt befanden sich 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder in dem Lkw. Ihre Reise begann nach den späteren Ermittlungen am 25. August nahe der ungarisch-serbischen Grenze.
Am 26. August setzte sich der Lastwagen von Kecskemét (Ungarn) aus in Richtung Österreich in Bewegung. Die Menschen waren im Laderaum eingeschlossen. Obwohl sie schon kurz nach dem Start durch Klopfen und Schreien auf ihre Situation aufmerksam machten, öffnete niemand den Laderaum.
Die Flüchtlinge sollen noch am selben Tag auf ungarischem Staatsgebiet gestorben sein. Als Todesursache wurde Sauerstoffmangel festgestellt.
Der Lkw wurde bei Parndorf entdeckt
Am 27. August wurde der Lastwagen in einer Pannenbucht der A4 bei Parndorf entdeckt. Ein Mitarbeiter der staatlichen Straßenbaugesellschaft ASFINAG hatte das Fahrzeug bemerkt und die Polizei informiert. Ein weiterer Zeuge will den Laster bereits am 26. August dort stehen gesehen haben.
Als die Einsatzkräfte den Laderaum öffneten, kam die ganze Tragweite des Geschehens ans Licht: 71 Menschen waren tot.
Ein technisches Gutachten ergab, dass der hermetisch abgeschlossene Laderaum keinen ausreichenden Luftaustausch zuließ.
Die Täter müssen sich verantworten
Die Ermittlungen führten nach Ungarn, wo später mehrere Beteiligte vor Gericht standen. 2019 wurden die Strafen der vier Hauptangeklagten in einem Berufungsverfahren verschärft - wegen Mordes unter besonders grausamen Umständen. Immerhin sollen die Schlepper gewusst haben, dass die Eingeschlossenen ersticken könnten und sich die Tür von innen nicht öffnen ließ.
Als der Lkw schließlich bei Parndorf abgestellt wurde, waren die 71 Menschen im Laderaum bereits tot. Die Täter setzten sich ab. Das Gericht kam später zu dem Schluss, dass ihnen ihr eigenes Untertauchen wichtiger gewesen sei als das Leben der Flüchtlinge.
Drei Hauptangeklagte erhielten lebenslange Freiheitsstrafen ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung, beim vierten Angeklagten ist eine Entlassung nach 30 Jahren möglich.
Die Tragödie mitten in der Flüchtlingskrise
Die Tragödie von Parndorf ereignete sich während der europäischen Flüchtlingskrise 2015. Unter anderem gelangten über die sogenannte Balkanroute damals viele Menschen über die Türkei, Griechenland, den Westbalkan und Ungarn weiter nach Österreich und in andere EU-Staaten. Gleichzeitig wurden immer wieder Menschen von Schleusern unter teils lebensgefährlichen Bedingungen transportiert.
Der Fund des Lkw bei Parndorf am 27. August 2015 fiel damit in eine Phase, in der die Fluchtbewegung Europa zunehmend beschäftigte. Die 71 Menschen im Lkw waren Teil dieser Fluchtbewegung.
Ihre Todesfahrt wurde zu einem der bekanntesten Fälle tödlicher Schleusertransporte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise des Jahres 2015.