Heute vor 65 Jahren endete ein Fluchtversuch tödlich: Günter Litfin wurde erstes Maueropfer
Heute vor 65 Jahren, am 24. August 1961, und damit nur wenige Tage nach dem Bau der Berliner Mauer, versuchte der 24-jährige Günter Litfin, nach West-Berlin zu gelangen. Der Fluchtversuch endete tödlich. Sein Name ist jedoch bis heute untrennbar mit der Geschichte der Mauer verbunden.
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Bis zum 13. August 1961 pendelte Günter Litfin zwischen Ost- und West-Berlin. Der gelernte Schneider lebte im Ostteil der Stadt, arbeitete allerdings im Westen, wohin er zeitnah auch dauerhaft ziehen wollte. Somit war er einer von etlichen sogenannten Grenzgängern.
Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde die Grenze jedoch innerhalb weniger Stunden geschlossen - und sein Arbeitsplatz bzw. seine Wohnung in West-Berlin waren nicht mehr erreichbar. Wie viele andere Menschen suchte Litfin nach einem Ausweg, hielt nach Fluchtwegen Ausschau.
Immerhin war in den ersten Tagen nach dem Mauerbau die Grenze noch nicht vollständig gesichert, sodass zahlreichen Menschen die Flucht nach West-Berlin noch gelungen war.
Am 24. August 1961 entschloss sich Litfin schließlich zur Flucht. Er versuchte, den Humboldthafen schwimmend zu überqueren und so West-Berlin zu erreichen. Nachdem die in der Nähe stationierten DDR-Grenzkräfte Warnschüsse abgegeben hatten, Litfin seinen Fluchtversuch jedoch fortsetzte, beschossen sie ihn gezielt - und trafen ihn tödlich am Hinterkopf.
Günter Litfins Tod zählt zu den ersten tödlichen Folgen der Teilung Berlins nach dem Mauerbau.
Sein Schicksal bleibt unvergessen
In den folgenden Jahren verloren zahlreiche weitere Menschen bei Fluchtversuchen an der innerstädtischen Grenze ihr Leben. Litfins Schicksal steht somit exemplarisch für die Folgen der Teilung Deutschlands und die Risiken, die viele Menschen bei dem Versuch eingingen, die DDR zu verlassen.
Heute erinnert eine Gedenkstätte in einem ehemaligen Grenzbeobachtungsturm nahe dem Berliner Hauptbahnhof an Günter Litfin. Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte der Berliner Mauer, die Grenzsicherung sowie die Schicksale der Maueropfer.
Was viele nicht wissen: Obwohl allgemein bekannt war, wie Litfin ums Leben kam, untersagten die DDR-Behörden den Angehörigen, über die tatsächlichen Todesumstände zu sprechen. In der Todesanzeige war deshalb nur von einem "tragischen Unfall" die Rede. Auch bei der Beerdigung am 31. August 1961 blieb der Fluchtversuch unerwähnt.
Erst Jahrzehnte später wurde der Fall juristisch aufgearbeitet: 1997 verurteilte das Landgericht Berlin die an der Erschießung Günter Litfins beteiligten DDR-Grenzschützen im Rahmen eines Mauerschützenprozesses wegen Totschlags in einem minder schweren Fall zu Freiheitsstrafen von jeweils 18 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Titelfoto: Bildmontage: OTFW/Berlin/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons, Ralf Roletschek (Vortrag)/Fahrradtechnik auf fahrradmonteur.de/Public domain/Wikimedia Commons
