Heute vor 65 Jahren: Dieser Sprung ging um die Welt - Conrad Schumanns Flucht aus der DDR
Heute vor 65 Jahren, am 15. August 1961, schrieb ein junger DDR-Grenzpolizist mit seinem Sprung über einen einfachen Stacheldrahtzaun Geschichte. Conrad Schumann floh in den Westen - und das Foto seines Sprungs wurde zu einem der bekanntesten Bilder des Kalten Krieges.
Interessante Ereignisse aus aller Welt gibt's hier: heute vor ... Jahren.
Nur zwei Tage zuvor, am 13. August 1961, hatte die DDR damit begonnen, die Grenze zu West-Berlin abzuriegeln. An vielen Stellen bestanden die Sperranlagen zunächst lediglich aus Stacheldraht.
Der damals 19-jährige Conrad Schumann war in der Bernauer Straße, Ecke Ruppiner Straße im Einsatz. Auf der West-Berliner Seite hatten sich Schaulustige, Journalisten und Polizeibeamte versammelt, um die Abriegelung zu dokumentieren bzw. zu überwachen.
Schumann soll laut Zeugenaussagen angespannt gewirkt haben. Späteren Berichten zufolge hatte er bereits Zweifel an seinem Einsatz als Grenzpolizist, er wollte keine Menschen einsperren und schon gar nicht auf sie schießen. So wartete er auf eine Gelegenheit zur Flucht.
Am 15. August 1961 bot sich der entscheidende Augenblick: Schumann rannte los, sprang über den Stacheldraht, ließ dabei seine Maschinenpistole fallen und wurde von der West-Berliner Polizei in Schutz genommen.
Genau in diesem Moment drückte der Fotograf Peter Leibing auf den Auslöser. Seine Aufnahme zeigt Schumann mitten im Sprung – zwischen zwei Welten. Sie wurde weltweit veröffentlicht und entwickelte sich zu einem der berühmtesten Fotos des 20. Jahrhunderts.
Ein Bild wurde zum Symbol des Kalten Krieges
Der Sprung von Conrad Schumann steht nicht nur für die Flucht eines einzelnen Menschen. Die Aufnahme wurde zu einem Sinnbild für die deutsche Teilung, den Konflikt zwischen Ost und West und den Wunsch vieler Menschen nach Freiheit.
Während die Berliner Mauer fast 28 Jahre lang Familien und Freunde trennte, erinnert das Foto bis heute an die ersten Tage dieses historischen Wendepunkts.
Interessanter Fakt: Seit 2011 gehört das weltberühmte Foto, welches Conrad Schumanns Sprung über den Stacheldraht zeigt und den Namen "Sprung in die Freiheit" erhalten hat, zum deutschen UNESCO-Weltdokumentenerbe – ein Zeichen für seine besondere historische Bedeutung.
Nach seiner Flucht begann der gebürtige Sachse und gelernte Schäfer in Westdeutschland ein neues Leben. Er arbeitete viele Jahre als Maschinenführer in Bayern, heiratete und gründete eine Familie.
Doch die Ereignisse des Sommers 1961 ließen Schumann nie ganz los. Die Sorge vor möglichen Reaktionen wie der Verfolgung ehemaliger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) habe ihn eigenen Aussagen zufolge zeitlebens belastet.
Conrad Schumann starb im Alter von 56 Jahren am 20. Juni 1998 durch Suizid.
Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa
