Heute vor 69 Jahren begann das Rätsel um die Moorleiche Rosalinde

Heute vor 69 Jahren, am 23. Juli 1957, stießen Torfstecher im Moor "Weiter Filz" in Oberbayern auf einen hölzernen Sarg. Nachdem sie zunächst auf einen vergrabenen Schatz gehofft hatten, wurde schnell entdeckt, dass sich in der Kiste stattdessen die sterblichen Überreste einer jungen Frau befanden.

Sensationelle Entdeckungen und spannende Storys gibt's hier: heute vor ... Jahren.

"Frau von Peiting" - gefundene Moorleiche aus dem Moor Weiter Filz in Bayern.  © Markus Köllner/CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons

Der weibliche Körper wurde am 23. Juli 1957 im Moor Weiter Filz nahe Hohenpeißenberg im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau entdeckt. Bekannt wurde die Moorleiche zunächst als "Frau von Peiting", weil der Fund lange dem benachbarten Ort Peiting zugeschrieben wurde.

Erst spätere Vermessungen zeigten, dass sich die Fundstelle tatsächlich auf dem Gemeindegebiet von Hohenpeißenberg befand. Der ursprüngliche Name blieb zwar erhalten, in den Medien wird die Frauenleiche heutzutage jedoch auch Rosalinde genannt.

Nach ihrer Entdeckung wurde zunächst angenommen, dass sie aus dem frühen Mittelalter stammt. Moderne naturwissenschaftliche Untersuchungen kamen jedoch zu einem anderen Ergebnis.

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Nach heutigem Forschungsstand wird der Lebenszeitraum der Frau eher zwischen dem Ende des 13. bis Mitte des 15. Jahrhunderts datiert.

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Was weiß man über die Frau aus dem Moor?

Rosalinde war vermutlich zwischen 20 und 30 Jahre alt, um die 1,45 bis 1,50 Meter groß und trug etwa 15 Zentimeter langes Haar, als sie starb.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass die junge Frau körperlich schwer arbeiten musste. Das spricht dafür, dass sie vermutlich aus einem gehobeneren gesellschaftlichen Umfeld stammte. Gleichzeitig haben bisherige Untersuchungen deutliche gesundheitliche Probleme aufgezeigt: Durch Karies und Parodontitis hatte sie bereits zu Lebzeiten mehrere Zähne verloren und dürfte unter anhaltenden Zahnschmerzen gelitten haben. Auffällig war zudem ein stark vorstehender Oberkiefer, der ihr Erscheinungsbild geprägt haben könnte.

Ihre Kleidung bestand aus mehreren Schichten natürlicher Materialien: Ein knielanges Obergewand aus heller Schafwolle wurde über weiterer Woll- und Leinenkleidung getragen. Ein einfach gedrehtes Band diente als Gürtel und hielt die Gewänder zusammen. Auffällig und zugleich gut erhalten sind die kniehohen roten Lederstiefel, die in etwa der heutigen Schuhgröße 36 entsprechen. Trotz starker Abnutzung wurden sie offenbar immer wieder repariert und weitergetragen.

Wer Rosalinde war und warum sie fernab eines Friedhofs bestattet wurde, ist bis heute nicht geklärt. Frühere Vermutungen über eine Schwangerschaft oder einen gewaltsamen Tod konnten bislang weder eindeutig widerlegt noch bestätigt werden.

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Warum blieb Rosalinde so gut erhalten?

Moore bieten außergewöhnliche Bedingungen für die Erhaltung archäologischer Funde. Die feuchte, saure und sauerstoffarme Umgebung verlangsamt den natürlichen Zersetzungsprozess erheblich und kann organische Materialien über Jahrhunderte konservieren. Bei Rosalinde kam hinzu, dass sie in einem Holzsarg bestattet worden war. Dadurch blieben neben den menschlichen Überresten auch Kleidungsreste und Lederstiefel erhalten.

Die Moorleiche wird heute in der Archäologischen Staatssammlung München aufbewahrt. Sie zählt zu den bedeutendsten Moorfunden Bayerns und liefert auch Jahrzehnte nach ihrer Entdeckung wichtige Erkenntnisse über das Leben, die Bestattungskultur und die Archäologie des Spätmittelalters.

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