Betrug bei Einbürgerungstests: Kunden schicken Stellvertreter zur Prüfung

Nürnberg - Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln gegen mehrere Tatverdächtige wegen Betrug mit Deutsch- und Einbürgerungstests im großen Stil.

Betrug bei den Einbürgerungstests: Hier saßen Stellvertreter und legten die Prüfungen ab.
Betrug bei den Einbürgerungstests: Hier saßen Stellvertreter und legten die Prüfungen ab.  © NEWS5 / N5 DESK

Wie das Kommissariat und die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Montag mitteilten, laufen die Ermittlungen bereits seit Oktober 2025. Die Tatverdächtigen sollen Deutsch- und Einbürgerungstests für Personen durchgeführt haben, die dazu selbst nicht in der Lage waren.

Zuvor sei bereits wegen gefälschter Sprachzertifikate ermittelt worden. Im letzten Jahr kamen die Ermittler dann einem sogenannten "Vermittler" auf die Spur. "Dieser verkaufte keine gefälschten Sprachzertifikate mehr, sondern schickte Personen, die als Stellvertreter bezeichnet werden, zur Prüfung", erklärt das Polizeipräsidium Mittelfranken.

Diese sprachen so gut Deutsch, dass sie die Prüfung für die "Kunden" erfolgreich ablegen konnten. Dazu legten sie gefälschte Dokumente mit dem Bild des Stellvertreters und den Personalien des "Kunden" vor, so die Betrugsmasche. Ahnungslose Prüfer stellten dann Zertifikate aus, die für Aufenthaltsgenehmigungen gebraucht werden.

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Den Angaben nach zahlten die Auftraggeber Beträge zwischen 2500 und 6000 Euro für die Organisation der Prüfung. Die Masche ist als "Stellvertreterbetrug" bekannt und tritt auch bei anderen Prüfungsformen, wie zum Beispiel der Theorieprüfung für den Führerschein, auf.

Bundesweites Betrugsnetzwerk mit Einbürgerungstests

Die Nürnberger Kripo deckte ein bundesweites Betrugsnetzwerk auf.
Die Nürnberger Kripo deckte ein bundesweites Betrugsnetzwerk auf.  © NEWS5 / N5 DESK

Bei dem in Nürnberg tätigen Vermittler handelt es sich um einen 39-jährigen Iraker. Die Ermittlungen ergaben, dass er seine "Stellvertreter" hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen rekrutierte.

Bei einer verdeckten Maßnahme konnte dann im Januar 2026 ein 22-jähriger Deutscher noch während seiner Stellvertreterprüfung im Prüfungsraum festgenommen werden.

Durchsuchungen in Nürnberg und Hamm (Nordrhein-Westfalen) brachten unter anderem zahlreiche Datenträger, gefälschte Aufenthaltstitel und Sprachtests sowie eine große Menge Bargeld ans Licht. Der Vermittler und der festgenommene Stellvertreter sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

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Weitere Ermittlungen ergaben derweil, dass sich im Dezember 2025 etwa 20 Stellvertreter aus Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zu einer Sprachschule zu Tests befanden. Vor Ort konnten dann zehn Personen festgestellt werden, die gerade dabei waren, die Prüfung unter falschen Personalien abzulegen.

Zu weiteren Vermittlern, Stellvertretern und Kunden wird aktuell noch im ganz Deutschland ermittelt. Die Beamten gehen derzeit von einer hohen zweistelligen Anzahl weiterer Verfahren aus.

Titelfoto: NEWS5 / N5 DESK

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