Von Marion van der Kraats
Berlin - Tausende Trauergäste, Hunderte Polizisten: Die Beisetzung des Clan-Bosses Mehmet K. (†62) bringt Berlin in Aufruhr. Es sei ein "Schaulaufen der Organisierten Kriminalität".
Die Behörde erwartet, dass am Freitag zahlreiche Gäste zu dem Trauergebet in der Sehitlik-Moschee im Stadtteil Neukölln kommen, bei der anschließenden Beisetzung in Berlin-Westend könnten es Tausende sein.
"Angesichts des zu erwarteten Aufkommens von Menschen müssen wir sicherstellen, dass die öffentliche Ordnung eingehalten wird", sagte ein Polizeisprecher.
Die Polizei werde über den Tag verteilt mit mehreren Hundert Polizisten und Polizistinnen in der Stadt unterwegs sein. Sie stehe in engem Austausch mit der Familie des Toten sowie dem Bestatter und Veranstalter der Trauerzeremonie, erklärte der Sprecher. Es gehe darum, das Geschehen "pietätvoll und dem Anlass angemessenen" zu begleiten.
Am Dienstag gab es im Stadtteil Kreuzberg eine Trauerveranstaltung für den gestorbenen 62-Jährigen, der vor vielen Jahren aus der Türkei in die Hauptstadt kam.
Nach der Bestattung soll es demnach am Sonntag ein weiteres Gedenkgebet geben. In Sicherheitskreisen bereitet man sich auf einen größeren Einsatz vor.
Polizei warnt vor Machtvakuum
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rechnet damit, dass sich wie bei vergleichbaren Todesfällen in den vergangenen Jahren Freunde und Feinde des Gestorbenen blicken lassen. "Ein Schaulaufen der Organisierten Kriminalität dieser Stadt", erklärte GdP-Sprecher Benjamin Jendro.
Zugleich sieht er die Polizei vor weitere Herausforderungen gestellt: Wer die letzten Jahrzehnte in der Hauptstadt verfolgt habe, wisse, dass mit dem 62-Jährigen eine Clan-Größe verstorben sei, die in der organisierten Kriminalität bis zuletzt Einfluss genossen habe und ein Vakuum hinterlasse.
"So werden nicht nur Trauerfeier und Begräbnis, sondern auch der Konkurrenzkampf um Absatzmärkte und der Einfluss auf unseren Straßen Berlins Polizei vor Aufgaben stellen", sagte Jendro der "B.Z.".
Mitte Dezember gab es einen großen Polizeieinsatz vor dem Haus des Gestorbenen im Stadtteil Lichterfelde. Unbekannte feuerten mit einer Waffe 20 Schüsse ab. Die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags laufen laut Polizei noch.