Von Tatjana Bojic
Hechingen - Menschenraub, Erpressung, Körperverletzung: Im Streit um Schulden aus Drogengeschäften haben mehrere Jugendliche einen heute 17-Jährigen über mehrere Tage hinweg festgehalten und misshandelt.
Davon war das Landgericht Hechingen überzeugt und verurteilte die Angeklagten wegen verschiedener Tatbeteiligungen zu mehrjährigen Haftstrafen. Der Haupttäter muss unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubes für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis.
Fünf weitere Jugendliche erhielten Haftstrafen von zwei Jahren und neun Monaten bis zu fünf Jahren und sechs Monaten. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.
Zum Tatzeitpunkt waren die Angeklagten zwischen 16 und 19 Jahre alt, bei ihnen wurde daher Jugendstrafrecht angewendet. Vier der Angeklagten waren vor einiger Zeit einen sogenannten Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und hatten gestanden.
Das 17 Jahre alte Opfer wurde nach Überzeugung des Gerichts ab dem 11. April von den Angeklagten an wechselnden Orten festgehalten und erpresst. In der Nacht zum 15. April wurde er von der Polizei befreit, wo er umfassend aussagte. Vor Gericht nahm das Opfer das meiste zurück.
Er habe überzogen und die Polizei habe Druck ausgeübt, sagte der 17-Jährige. Nichts von alledem sah das Gericht als gegeben an. Vielmehr sei auf Zeugen Einfluss genommen worden, von wem auch immer.
Jugendlicher über mehrere Tage festgehalten
Bereits Anfang 2025 war das Opfer laut Gericht in einer Kellerwohnung geschlagen worden. Daraufhin habe dessen Familie 3100 Euro bezahlt. Dann – am 11. April – schnappten sich die Täter den Jugendlichen erneut und brachten ihn nach Mössingen. In einem Hotelzimmer sollen sie rund 4000 Euro gefordert sowie den 17-Jährigen bedroht und geschlagen haben.
Weil dieser das Geld nicht beschaffen konnte, sollen die Angeklagten am Abend des 13. April mithilfe des Mobiltelefons des Opfers einen gleichaltrigen Bekannten an eine Bushaltestelle in Haigerloch (Zollernalbkreis) gelockt und auch ihn geschlagen haben.
Von ihm sollen sie 5000 Euro gefordert haben. Dies misslang, der junge Mann floh und informierte die Polizei. Durchweg sei es darum gegangen, Schulden aus illegalen Drogengeschäften einzutreiben. "Das Martyrium hat vier Tage gedauert", sagte der Vorsitzende Richter.