Beifahrerin (†21) starb auf IKEA-Parkplatz: Raser legt Geständnis ab

Augsburg - Der Angeklagte (54) wollte vor den jungen Leuten mit dem 557 PS starken Sportwagen und seinen Fahrkünsten protzen - davon ist jedenfalls der Staatsanwalt überzeugt. Mindestens zweimal soll der Mann deswegen in Augsburg mit bis zu annähernd 200 km/h durch das Stadtgebiet gerast sein, erlaubt war Tempo 50.

Der 54-jährige Kfz-Mechaniker hat die Tat weitestgehend gestanden.
Der 54-jährige Kfz-Mechaniker hat die Tat weitestgehend gestanden.  © Stefan Puchner/dpa

Am 26. August 2022 endete die Raserfahrt mit einem verheerenden Unfall - der zweieinhalb Tonnen schwere Bolide krachte auf dem belebten IKEA-Parkplatz in Augsburg gegen einen Ständer für Einkaufswagen. Die 21 Jahre alte Beifahrerin des Angeklagten war tot, zwei weitere Mitfahrer verletzt. Auf dem Parkplatz konnten zwei Kundinnen gerade noch vor dem heranschleudernden Mercedes GL63 AMG davonrennen.

Zu Beginn des Prozesses um den tödlichen Raserunfall vor dem Landgericht Augsburg hat der 54 Jahre alte Angeklagte am Mittwoch ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Sein Verteidiger Florian Engert las eine Erklärung vor, in der die Vorwürfe aus der Anklageschrift bis auf einzelne Details eingeräumt wurden. Weitere Fragen des Gerichts wollte der beschuldigte Kfz-Mechaniker aber nicht beantworten.

Die tragische Fahrt begann an einer Tankstelle, die als beliebter Autotuner-Treffpunkt bekannt ist. Dort soll der Angeklagte seine drei Mitfahrer aufgesammelt haben.

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Sodann begann die Fahrt, die letztlich nach den Ermittlungen kaum länger als 20 Sekunden war, dann verlor der Fahrer komplett die Kontrolle über seinen schweren SUV. Der Angeklagte soll zuvor maximal beschleunigt haben, in weniger als fünf Sekunden konnte das Auto 100 Kilometer pro Stunde erreichen.

Raserei endet auf IKEA-Parkplatz in Augsburg tödlich

An der Stelle, an der der SUV den Zaun des IKEA-Parkplatzes durchbrach, erinnern ein Kreuz und Kerzen an die junge Frau, die hier ihr Leben verlor.
An der Stelle, an der der SUV den Zaun des IKEA-Parkplatzes durchbrach, erinnern ein Kreuz und Kerzen an die junge Frau, die hier ihr Leben verlor.  © Stefan Puchner/dpa

Letztlich kam der Raser von der Straße ab, geriet auf einen Gehweg und durchbrach den Zaun des Möbelhauses. Das Auto flog quer über den etwas tieferliegenden Parkplatz und krachte gegen die Einkaufswagen-Box.

Metall- und Holzsplitter schossen durch das Auto und trafen die 21-Jährige auf dem Beifahrersitz am Kopf, die junge Frau starb sofort an schwersten Schädelverletzungen.

Die beiden verletzten Mitfahrer auf der Rückbank überlebten ebenso wie der Fahrer. "Dass keine weiteren Personen durch die Fahrt des Angeschuldigten verletzt oder getötet wurden, war ein bloßer Zufall", sagte der Staatsanwalt im Hinblick auf die Kunden auf dem Parkplatz.

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Einige Zeit zuvor soll der 54-Jährige mit einem anderen Mitfahrer bereits eine ähnliche Raserfahrt unternommen haben. Der Beifahrer habe dabei "panische Angst" bekommen, sagte der Staatsanwalt. Er habe den Angeklagten gebeten, langsamer zu fahren. Dieser soll sich dann über den verängstigten Beifahrer lustig gemacht haben.

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Verteidiger Florian Engert (r.) spricht im Schwurgerichtssaal des Landgerichts mit seinem Mandanten.
Verteidiger Florian Engert (r.) spricht im Schwurgerichtssaal des Landgerichts mit seinem Mandanten.  © Stefan Puchner/dpa

Der Unfall hatte in der Region Augsburg für viele Diskussionen über sogenannte Autoposer und illegale Rennen gesorgt. Manche waren auch verwundert, dass die Staatsanwaltschaft den 54-Jährigen während der Ermittlungen in Freiheit ließ.

Das Landgericht änderte dies sofort nach Anklageerhebung - seit Mai sitzt der Mann nun wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge.

Die Angehörigen der getöteten 21-Jährigen errichteten an dem reparierten Zaun des Möbelhauses eine Gedenkstätte. Dort hängt nun ein großes Bild der jungen Frau, darunter steht: "Nie vergessen. Deine Familie". Auch am Mittwoch brannten neue Kerzen an der Stelle, ein großes Herz lag unter dem Foto des Opfers.

Das Landgericht plant noch sieben weitere Verhandlungstage. Das Urteil soll Mitte November verkündet werden.

Titelfoto: Stefan Puchner/dpa

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