Zwei Dutzend Mal zugestochen: Lebenslange Haft für Mord an Ex-Frau auf offener Straße
Von Ulf Vogler
Ingolstadt - Wegen der Ermordung seiner ehemaligen Ehefrau auf offener Straße ist ein 50 Jahre alter Mann vom Landgericht Ingolstadt zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Strafkammer stellte auch die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten fest.
Dadurch ist die vorzeitige Freilassung auf Bewährung erheblich erschwert. Der Angeklagte könne nicht bereits nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden, betonte der Vorsitzende Richter, Gerhard Reicherl.
Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung, die eine Verurteilung nur wegen Totschlags verlangt hatte, will gegen das Urteil Revision einlegen.
Der Türke hatte Anfang Dezember 2025 abends zwei Dutzend Mal mit einem Messer auf seine Ex-Frau eingestochen.
Gegen ihn bestand damals ein gerichtliches Kontaktverbot, er war wegen der Nachstellungen gegen seine frühere Partnerin auch bereits verurteilt.
Der Richter sprach von einer "jahrelangen Überwachung" und einem "jahrelangen Stalking". Das Auto der Frau habe der Mann mit einem GPS-Tracker überwacht, private Gespräche abgehört.
Die geschiedene Frau sei dadurch absolut verzweifelt gewesen. Sie habe nicht mehr gewusst, wie sie sich helfen sollte, betonte er.
Söhne traten und schlugen auf ihren Vater ein
Reicherl beschrieb die Tat als einen typischen Femizid. Der Angeklagte habe ein "absolutes Besitzdenken" hinsichtlich seiner Ex-Partnerin gehabt und ihr kein Leben mit ihrem neuen Freund gegönnt.
Der Richter sagte, dass Ausmaß der Nachstellungen sei kein "normales Stalking" mehr gewesen.
Damit begründete er auch die besondere Schwere der Schuld bei dem Angeklagten. Zudem sei es ihm auch egal gewesen, ob seine drei Kinder die Bluttat an der Mutter unmittelbar miterleben mussten.
Der Mann hatte der 45-Jährigen vor deren Wohnhaus mit einem Küchenmesser aufgelauert, als sie von ihrem neuen Partner zu Hause abgesetzt wurde.
Die Frau hatte noch die Kinder anrufen können, dann stürmten die zwei Söhne nach draußen. Sie versuchten erfolglos, den Angreifer abzuhalten und ihre Mutter zu retten. Die schwer verletzte Frau starb eine Stunde später in einem Krankenhaus.
Die damals 23 und 17 Jahre alten Söhne hatten nach Angaben der Polizei versucht, durch Tritte und Schläge den Vater fernzuhalten. Dadurch wurde der Angreifer ebenfalls erheblich verletzt, er lag danach im Koma im Krankenhaus.
Titelfoto: Felix Kirberg/dpa

