Von Marion van der Kraats
Berlin - Auch nach einer rund vierwöchigen Pause des Mordprozesses gegen einen Palliativarzt in Berlin gibt es keine Aussage des Angeklagten.
Die Vorsitzende Richterin Sylvia Busch erklärte am 47. Verhandlungstag, die Verteidigung habe mitgeteilt, dass "heute jedenfalls nicht eine Einlassung erfolgen soll".
Unterdessen wurde bekannt, dass von dem 41 Jahre alten Angeklagten Briefe beschlagnahmt wurden, die er aus der Untersuchungshaft versendet hat.
In einem Schreiben habe er der Ärztekammer mitgeteilt, dass er seine Zulassung zurückgeben wolle, berichtete die Richterin. In einem Brief an die Deutsche Rentenversicherung habe er mitgeteilt, er rechne mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Weitere Erklärungen zu den Schreiben gab es in der Verhandlung nicht.
Der Deutsche wurde Anfang August 2024 verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor. Sie hat zunächst 15 Fälle im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 in Berlin angeklagt. In einigen Fällen soll er Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen.
Bislang wurden mehr als 180 Zeugen und Zeuginnen befragt. Weitere sollen gehört werden. Angehörige des Arztes machen jedoch von ihrem Recht Gebrauch, nicht vor Gericht auszusagen, wie Richterin Busch erklärte. Für den Prozess sind noch Verhandlungstermine bis August geplant.
Weitere Ermittlungen bis nach Kroatien
Parallel zu der Verhandlung vor dem Landgericht laufen die Ermittlungen zu derzeit 76 Fällen weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. In dem Rahmen ist Ende April auch eine weitere Exhumierung erfolgt, wie ein Behördensprecher auf Anfrage mitteilte.
Weil die Leiche der betroffenen Frau in Kroatien bestattet wurde, fand die Ausgrabung im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens im Beisein von Polizei und dem zuständigen Staatsanwalt Philipp Meyhöfer statt.
Weitere Angaben dazu machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht.