Bis zu zehn Jahre Haft für Ex-Kultursenatorin Wedl-Wilson? Ermittlungen eingeleitet

Von Andreas Heimann

Berlin - Gegen Berlins Ex-Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (56) sind Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Untreue in einem besonders schweren Fall eingeleitet worden.

Die Fördergeld-Affäre von Berlins Ex-Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (56) hat nun auch ein juristisches Nachspiel.  © Soeren Stache/dpa

Das teilte die Staatsanwaltschaft auf dpa-Anfrage mit. Das Gesetz sieht im Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren vor. Es gilt die Unschuldsvermutung. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" darüber berichtet. 

Hintergrund ist die umstrittene Vergabe von Fördermitteln für Projekte gegen Antisemitismus. Wedl-Wilson (parteilos) hatte die Förderbescheide unterzeichnet. Sie gilt als eine der Schlüsselfiguren der Affäre und war am 24. April zurückgetreten

Der Berliner Landesrechnungshof hatte die Förderung von 13 Projekten mit zusammen 2,6 Millionen Euro in einem Prüfbericht als "evident rechtswidrig" bewertet.

Gerichtsprozesse Berlin 15-facher Mord: Berliner Killer-Arzt droht Höchststrafe

"Die betreffenden Zuwendungsbescheide hätten auf dieser Grundlage nicht erlassen werden dürfen", erklärten die Rechnungsprüfer.

Sie attestieren der Kulturverwaltung unter anderem fehlende Förderkriterien und eine willkürliche Auswahl der Projekte. Mehrere Vorhaben seien gar nicht förderfähig gewesen. 

Anzeige

Untersuchungsausschuss soll aufklären

Ein Untersuchungsausschuss soll aufklären, ob in dem Fall Haushaltsuntreue vorlag.  © Christophe Gateau/dpa

Ein Untersuchungsausschuss im Landesparlament nimmt den Vorgang unter die Lupe und arbeitet derzeit an seinem Abschlussbericht. Wedl-Wilson sollte Ende Mai im Ausschuss Rede und Antwort stehen, nahm nach einer Erklärung zu Beginn aber keine Stellung zu den Fragen der Abgeordneten. 

Sie berief sich auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht und nannte zur Begründung, gegen sie liege eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Haushaltsuntreue vor.

In ihrer Erklärung hatte Wedl-Wilson ihr Vorgehen verteidigt. Sie habe nach Amtsantritt im Mai 2025 eine Situation vorgefunden, in der die Mehrheit im Abgeordnetenhaus eine Förderung der Projekte gefordert habe. 

Gerichtsprozesse Berlin Vergab Behördenmitarbeiterin Termine gegen Geld? 27-Jährige angeklagt

Die Fördermittel seien außerdem von ihrem Vorgänger Joe Chialo (55, CDU) bereits zugesagt gewesen. Chialo war im Mai 2025 zurückgetreten. Zur Begründung für seinen Schritt nannte er damals Kürzungen im Haushalt der Kulturverwaltung.

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Berlin: