Clanmitglied will Bruder aus Knast befreien: Jetzt muss er selber rein

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Anne Baum

Berlin - Nach der gescheiterten Befreiung seines Bruders aus dem Maßregelvollzug in Berlin ist ein 23-Jähriger zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Im Maßregelvollzug werden als psychiatrisch auffällig oder suchtkrank eingestufte Straftäter untergebracht. (Archivbild)
Im Maßregelvollzug werden als psychiatrisch auffällig oder suchtkrank eingestufte Straftäter untergebracht. (Archivbild)  © Jörg Carstensen/dpa

Die Männer gehören zu einer bekannten arabischen Großfamilie. Der 23-Jährige soll vor rund zweieinhalb Jahren mit Komplizen auf das Gelände des Krankenhauses des Maßregelvollzugs in Berlin-Buch eingedrungen sein, um seinen dort nach Straftaten untergebrachten Bruder zu befreien.

Das Amtsgericht Tiergarten habe den 23-Jährigen wegen versuchter Gefangenenbefreiung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung schuldig gesprochen, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Monate Haft gefordert, der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bis zu zehn Jahre Haft für Ex-Kultursenatorin Wedl-Wilson? Ermittlungen eingeleitet
Gerichtsprozesse Berlin Bis zu zehn Jahre Haft für Ex-Kultursenatorin Wedl-Wilson? Ermittlungen eingeleitet

In dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs sind psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter untergebracht. Der 23-Jährige und mindestens drei bislang nicht bekannte Mittäter sollen laut Anklage am 20. Dezember 2023 gegen drei Uhr in der Nacht zwei Zäune um das Krankenhaus mit Werkzeug aufgeschnitten und eine Tür aufgehebelt haben. Sie hätten dann versucht, die Fenstergitter des Zimmers des 28-jährigen Clanmitglieds zu durchtrennen. Als Alarm ausgelöst wurde, seien die Täter geflüchtet.

Eine DNA-Spur, die an einem benutzten Werkzeug gesichert wurde, hatte den Angaben zufolge zu dem 23-Jährigen geführt.

23-Jähriger weist Vorwürfe zurück

Der 23-Jährige wurde vom Amtsgericht Tiergarten schuldig gesprochen.
Der 23-Jährige wurde vom Amtsgericht Tiergarten schuldig gesprochen.  © Jens Kalaene/dpa

Im Prozess wies er die Vorwürfe zurück. Er sei nicht am Tatort gewesen. Damals seien allerdings Handschuhe, die er kurz zuvor gekauft und angefasst habe, aus seiner Wohnung mitgenommen worden - "von einer Person, die ich nicht benennen will".

Beide Brüder sind erst vor wenigen Monaten gemeinsam verurteilt worden - wegen zwei Brandanschlägen vor dem Gefängnis Heidering im brandenburgischen Großbeeren im Frühjahr 2024. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Für den 28-Jährigen, der den Auftrag dazu als Inhaftierter erteilt hatte, lautete das Urteil drei Jahre und drei Monate Haft - wegen Anstiftung. Einbezogen wurde ein früheres Urteil.

15-facher Mord: Berliner Killer-Arzt droht Höchststrafe
Gerichtsprozesse Berlin 15-facher Mord: Berliner Killer-Arzt droht Höchststrafe

Er verbüßte damals eine mehrjährige Gefängnisstrafe wegen Drogenhandels. Der 23-Jährige wurde wegen Brandstiftung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Berlin: