Getötete Afghanin (†34): Kommt einer der Koffermord-Brüder nach Geständnis frei?

Berlin - Für einen der beiden Brüder, die ihre Schwester (†34) ermordet und deren Leiche in einem Koffer nach Bayern transportiert haben sollen, haben die Verteidiger eine Aufhebung des Haftbefehls beantragt.

Ein Fahrzeug der Kriminaltechnik parkt Anfang August 2021 vor dem Wohnhaus, in dem einer der Brüder gelebt hat.
Ein Fahrzeug der Kriminaltechnik parkt Anfang August 2021 vor dem Wohnhaus, in dem einer der Brüder gelebt hat.  © Dominik Totaro

Das bestätigte einer der Anwälte am Freitag am Rande des Mordprozesses vor dem Berliner Landgericht. Wann die Richter über den Antrag entscheiden werden, ist noch offen. Zunächst geht der Prozess in eine Pause bis zum 10. Oktober.

Der Anwalt des 23 Jahre alten Angeklagten sagte weiter, nach der geständigen Einlassung seines 27 Jahre alten Bruders sei für seinen Mandanten "die vorgeworfene Tatbeteiligung an der Tötung nicht gegeben". Die seit über einem Jahr dauernde Untersuchungshaft sei für den jüngeren Bruder zu beenden und der Haftbefehl aufzuheben.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Brüder ihre Schwester umgebracht haben, weil sich die zweifache Mutter Moralvorstellungen der afghanischen Familie nicht unterworfen und zudem eine Liebesbeziehung geführt haben soll. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord aus niedrigen Beweggründen.

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Die Brüder sollen ihre Schwester am 13. Juli 2021 an einem bislang nicht bekannten Ort getötet haben - laut Anklage starb die 34-Jährige durch Drosseln und Würgen, zudem wurde ihr die Kehle durchgeschnitten.

Älterer Angeklagter sagt aus: Nimmt er die Schuld auf sich, um seinen jüngeren Bruder zu schützen?

Die Brüder sollen die Leiche ihrer Schwester per Taxi zum Bahnhof Südkreuz geschafft haben, um dort einen ICE nach Bayern zu besteigen. (Archivfoto)
Die Brüder sollen die Leiche ihrer Schwester per Taxi zum Bahnhof Südkreuz geschafft haben, um dort einen ICE nach Bayern zu besteigen. (Archivfoto)  © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Die Leiche haben die Angeklagten in einem Rollkoffer mit einem Taxi zum Bahnhof Berlin-Südkreuz und dann per ICE nach Bayern gebracht, wie es in der Anklage heißt.

Rund drei Wochen später wurde die Leiche in einem Erdloch in der Nähe des bayrischen Wohnortes des älteren Angeklagten entdeckt.

Der 27-Jährige hatte nach dem rund sechsmonatigen Prozess überraschend sein Schweigen gebrochen und in einer Erklärung einen Streit mit der zweifachen Mutter geschildert, der eskaliert sei.

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Er habe die 34-Jährige nicht töten wollen, erklärte er über einen der Anwälte. "Ich bereue meine Wut, die zu der Verletzung und schließlich zum Tod meiner Schwester geführt hat, aufrichtig."

Es sei zu einer Auseinandersetzung um Geld für ihre Familie in der Heimat gekommen, hieß es weiter in der Einlassung.

Seine Schwester habe nicht gewollt, dass auch ihre Eltern von Afghanistan nach Deutschland kommen. Sein Bruder sei bei dem Geschehen nicht dabei gewesen. Er habe nur geholfen, den Koffer zu transportieren.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa, Dominik Totaro (Bildmontage)

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