"Hat mir einen Teil aus der Seele gerissen": Mutter von getötetem Polizisten spricht im Mordprozess

Dresden/Cottbus - Bewegendes Ende des Verhandlungstags gegen den polnischen Autodieb Dawid K. (27): Dieser hatte am 7. Januar 2025 den jungen Dresdner Polizisten Maximilian Stoppa (†32) totgefahren, dafür soll er nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. Auch die Mutter des Dresdners äußerte sich.

Dawid K. (27) muss sich im Mordprozess verantworten. Sein Verteidiger Christoph Rühlmann (58, l.) spricht sich gegen eine lebenslange Haftstrafe aus.  © Patrick Pleul/dpa

Dass es um einen Menschen, nicht nur einen Fall, geht, machte Stoppas Mutter am Mittwoch gleich zu Beginn deutlich. Sie stellte ein Bild ihres verstorbenen Sohnes auf dem Tisch in Richtung des Angeklagten und Richters auf.

Zunächst plädierte jedoch der Staatsanwalt. Minutiös schilderte er nochmal die verhängnisvolle Verfolgungsjagd nach Lauchhammer, um dann zum Knackpunkt zu kommen: Geschah der Tod des Dresdners mit Vorsatz? "Wir gehen davon aus, dass er im letzten Augenblick sowohl den Geschädigten nicht bemerkt hatte als auch, dass er keine Gelegenheit mehr hatte, zu reagieren", sagt Staatsanwalt Jens Meyer (62).

Das würde in anderen Fällen gegen Vorsatz sprechen.

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"Das wäre in Raserfällen aber unangemessen", sagte er. "Raserfälle sind dadurch gekennzeichnet, dass durch die Geschwindigkeit die Wahrnehmungsfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit leidet."

Es komme nicht auf den letzten Augenblick, sondern das Verhalten davor an. Damit sei es Mord, Strafe: lebenslang.

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Stoppas Mutter über Täter: "Hat mir einen Teil aus der Seele gerissen"

Polizist Maximilian Stoppa (†32) verlor im Januar vergangenen Jahres bei einer Kontrolle sein Leben.  © Robert Michael/dpa

Verteidiger Christoph Rühlmann (58) sieht das anders: "Er konnte das Verdichten des Verkehrs an dieser Engstelle nicht kalkulieren", so der Anwalt. "Er hatte ein vermindertes Risikobewusstsein durch Drogenkonsum."

Für den Fall, dass sein Antrag auf Einstellung des Verfahrens wegen Strafverbrauchs abgelehnt würde, forderte er eine Strafe unter acht Jahren und sechs Monaten unter Einbeziehung der Vorstrafen.

Die Nebenklage spricht ebenfalls von Mord, zitierte Stoppas Witwe: "Ich habe nicht nur meinen Lebenspartner verloren, sondern auch den Vater meiner Tochter und meinen besten Freund verloren."

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Auch Stoppas Mutter, die den gesamten Prozess mitverfolgt hatte, fand klare Worte: "Meine einzige Frage war: Warum?", sagte sie. "Warum hat er das getan? Er hat nicht nur meinen Sohn getötet, er hat auch mich getötet, er hat mir einen Teil aus der Seele gerissen."

Der Angeklagte entschuldigte sich unter Tränen, Urteil folgt.

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