Freisprüche nach Neonazi-Ausschreitungen in Chemnitz: Opferverbände sind fassungslos
Chemnitz - Schock und Empörung nach dem Freispruch im zweiten Prozess um die rechten Ausschreitungen in Chemnitz 2018. Für die Betroffenen bleibt das Gefühl, von der Justiz im Stich gelassen worden zu sein.
Alles in Kürze
- Freisprüche nach Neonazi-Ausschreitungen in Chemnitz
- Opferverbände sind fassungslos über den Ausgang
- Justiz wird von Opfern als unzureichend kritisiert
- Verfahren gegen drei Angeklagte eingestellt oder freigesprochen
- Betroffene müssen Nebenklagekosten selbst tragen

"Dieses Verfahren ist ein Freifahrtschein für den randalierenden rechten Mob. Erst wird schlampig ermittelt, dann das Verfahren jahrelang durch die Justiz verschleppt und schlussendlich freigesprochen. Wer so gegen rechte Gewalt vorgeht, braucht sich nicht zu wundern, dass Chemnitz als Eldorado für die bundesweite Neonazi-Szene erscheint", sagt Rechtsanwältin Kati Lang (45), die die Nebenklage vertrat.
Nach 14 Verhandlungstagen sprach das Landgericht Chemnitz drei Angeklagte frei, gegen den bundesweit bekannten Neonazi Lasse R. (26) wurde das Verfahren eingestellt.
Die Opferverbände sind fassungslos: "Mit den jahrelang verschleppten Strafverfahren im Chemnitz2018-Komplex präsentiert sich die sächsische Justiz als Helfershelfer von militanten Neonazis. Das Signal an alle Betroffenen rechter Gewalt ist so fatal wie eindeutig", kritisiert Heike Kleffner vom Verband der Opferberatungsstellen.


Die Folge: Statt Gerechtigkeit bleiben hohe Kosten. Weil das Gericht die Übernahme der Nebenklagekosten verweigerte, müssen die Betroffenen nun selbst zahlen.
Titelfoto: Bildmontage: Sven Gleisberg, Haertelpress