Online-Abzocke aus Chemnitz: Zweiter Melango-Chef vor Gericht

Chemnitz - Chemnitz' größtes Online-Betrüger-Duo ist erneut im Visier der Justiz.

Thomas W. (40) steht derzeit wegen Betrugs im Landgericht Chemnitz vor Gericht.
Thomas W. (40) steht derzeit wegen Betrugs im Landgericht Chemnitz vor Gericht.  © Haertelpress

Als Chefs der Firmen Melango.de GmbH, JW Handelssysteme und B2B Technologies lockten David J. und Thomas W. (beide 40) Verbraucher jahrelang in Abo-Fallen, so die Staatsanwaltschaft.

Mehr als 1500 Anzeigen gingen gegen die Chemnitzer Unternehmer ein. Immer wieder stellt sich die Frage: War es Betrug oder hätten Verbraucher genauer hinschauen müssen?

"Ich habe niemanden getäuscht", sagte Thomas W. vor dem Landgericht Chemnitz. Ihm werden 206 Betrugsfälle vorgeworfen. Tiefere Einblicke in die Online-Auftritte hätte nur Geschäftspartner David J. gehabt.

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Dennoch stand er als Chef im Impressum aller Unternehmen, die sich seit 2007 im Namen immer wieder geändert hatten.

"Zwei Anwaltskanzleien haben die Seiten überprüft. Wenn es Anmerkungen gab, haben wir es angepasst", behauptet W.

Die Firma "Melango" hatte ihren Sitz im Solaris-Turm in der Neefestraße.
Die Firma "Melango" hatte ihren Sitz im Solaris-Turm in der Neefestraße.  © Haertelpress
David J. (l.) und Thomas W. (beide 40) machten ab 2007 gemeinsame Sache.
David J. (l.) und Thomas W. (beide 40) machten ab 2007 gemeinsame Sache.  © PR

Fiese Abzocke: Kunden schlossen bei Anmeldung teuren Abo-Vertrag ab

Moderator Peter Escher (68) wollte den beiden Unternehmern den Negativpreis "Prellbock 2013" persönlich überreichen. Doch vor Ort war niemand anzutreffen.
Moderator Peter Escher (68) wollte den beiden Unternehmern den Negativpreis "Prellbock 2013" persönlich überreichen. Doch vor Ort war niemand anzutreffen.  © Haertelpress

Über Werbeanzeigen auf Facebook und Google hatte die Firma rabattierte Waren angeboten. Allerdings soll laut Staatsanwaltschaft nicht eindeutig erkennbar gewesen sein, dass sich die Angebote nur an Gewerbekunden richteten.

Per Anmeldung schlossen Kunden Verträge ab, ohne eindeutig von einer Mitgliedschaft mit zweimonatiger Mindestlaufzeit und ohne Widerrufsrecht zu wissen. Details und Kosten versteckten sich im Kleingedruckten. Wer die rund 400 Euro pro Jahr nicht zahlte, erhielt Mahnschreiben von Inkassounternehmen.

Thomas W. will monatlich nur 3000 Euro verdient haben, sein Ex-Geschäftspartner soll sich das Zehnfache ausgezahlt haben. W. droht wegen Betrugs eine Haftstrafe. Fortsetzung folgt.

Titelfoto: Haertelpress

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