Briefverkäufer vor Gericht: Eklat um Nazi-Fälschungen in Militärhistorischem Museum

Dresden - Erst war es peinlich für die Bundeswehr. Jetzt für den Staatsanwalt. Marko K. (54) soll dem Militärhistorischen Museum in Dresden absichtlich gefälschte Dokumente aus der NS-Zeit angedreht haben. Der Amtsrichter sprach den Mecklenburger jetzt aber frei!

Verkäufer Marko K. (54) wurde vom Amtsrichter in Dresden vom Vorwurf des Betruges freigesprochen.
Verkäufer Marko K. (54) wurde vom Amtsrichter in Dresden vom Vorwurf des Betruges freigesprochen.  © Peter Schulze

Das Museum hatte 2016 von der "Förderstiftung für Kunst und Wissenschaft" Neubrandenburg, dessen Vorstand Marko K. seinerzeit war, diverse Schreiben angekauft.

Gut 7000 Euro wurden unter anderem für einen Brief des Generalarztes des Heeres, Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch, von 1940 oder ein Schreiben von Nazi-Propaganda-Chef Hermann Göring von 1942 gezahlt.

Aber 2020 fanden LKA-Experten heraus: Es sind Fälschungen. Die Polizei entdeckte beim Stiftungs-Chef altes Papier und alte Schreibmaschinen.

Blutiger Streit um eine Frau: Messermann sticht Cousin nieder
Gerichtsprozesse Dresden Blutiger Streit um eine Frau: Messermann sticht Cousin nieder

Schriftproben zeigten, dass einige Briefe darauf produziert wurden. "Das sind zu viele Zufälle", so der Staatsanwalt, der 4500 Euro Strafe forderte.

Museum forderte restliche Briefe von Marko K.

Das Millitärhistorische Museum in Dresden ließ sich gefälschte Dokumente andrehen.
Das Millitärhistorische Museum in Dresden ließ sich gefälschte Dokumente andrehen.  © Peter Schulze

Der Mecklenburger hielt dagegen: "Ich kaufte häufig bei einem Antiquar in Neuruppin", so Marko K. "Mal Briefe, mal Papier, mal Maschinen." Letztere zum Beispiel für eine historische Ausstellung.

Der Verkäufer, der Nachlässe veräußerte, war seriös. "Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hatte von ihm auch ein Gemälde übernommen", argumentierte er. Besagter Händler ist inzwischen verstorben.

Das Museum hegte schon 2019 einen Fälschungsverdacht. Laut Historikerin gab es inhaltliche Fehler, waren Anreden unüblich, stimmten Adressen nicht.

"Mein Schamgefühl wurde verletzt": Verurteilter Kinderschänder kommt als Frau zum Prozess
Gerichtsprozesse Dresden "Mein Schamgefühl wurde verletzt": Verurteilter Kinderschänder kommt als Frau zum Prozess

Doch statt Marko zur Rede zu stellen, forderte das Museum die restlichen Briefe. Sie waren ja schon bezahlt. Ehe das LKA zur Materialprüfung eingeschaltet wurde, waren einige Fälle bereits verjährt ...

"Keiner hat gesehen, wer die Dokumente fälschte. Der Angeklagte ging davon aus, dass sie echt sind. Das könnten wir ihm nicht widerlegen", so der Amtsrichter. Konsequenz: Freispruch!

Titelfoto: Montage: Peter Schulze (2)

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden: