Dresdner Messer-Mörder wurde überwacht, wie kein anderer Straftäter in Sachsen zuvor

Dresden - Der Prozess gegen den Messer-Mörder von der Schloßstraße geht brisant weiter: Kein anderer Gefährder wurde so überwacht wie Abdullah A. H. H. (21). Das sagte am Freitag die zuständige LKA-Beamtin im Gericht. Und doch stach der Syrer im Oktober zwei Touristen nieder.

Abdullah A. H. H. (21) muss sich seit mehreren Wochen vor Gericht für seine Taten verantworten.
Abdullah A. H. H. (21) muss sich seit mehreren Wochen vor Gericht für seine Taten verantworten.  © Ove Landgraf

Thomas L. (†55) starb, dessen Lebensgefährte Oliver L. (54) überlebte schwer verletzt. Der Täter handelte aus radikal-islamistischen Motiven, wollte "Ungläubige" töten, so die Anklage.

Laut der Regierungsoberrätin Christiane M. (47) vom LKA gab es mehrere sogenannte Fallkonferenzen wegen Abdullah, als er noch in Haft saß. Psychologen, Polizistin, Kriminologen, Justizbeamte - alle, die mit ihm zu tun hatten, berieten darüber, wie mit dem Syrer nach seiner Haftentlassung (wegen IS-Unterstützung und Anschlagplanung) verfahren werden soll.

"Das Risiko wurde von allen in der Konferenz als hoch eingeschätzt", so Christiane M. Es wurden erstmals so viele Auflagen wie noch nie für einen Gefährder angeordnet.

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Zwar konnte die Regierungsrätin aus Gründen der Geheimhaltung nicht zu sehr ins Detail gehen, aber so durfte sich Abdullah unter anderem nur in Dresden aufhalten, musste sich dreimal pro Woche bei der Polizei melden, sollte regelmäßig zu Gesprächen.

Er sollte so eng wie möglich kontrolliert werden.

Messer-Mörder griff Justizbeamte im Knast an

Am Tatort legten Angehörige und Dresdner Blumen und Kerzen nieder, um dem verstorbenen Thomas L. (†55) zu gedenken.
Am Tatort legten Angehörige und Dresdner Blumen und Kerzen nieder, um dem verstorbenen Thomas L. (†55) zu gedenken.  © Norbert Neumann

"Wir haben versucht, alles auszuschöpfen, was das sächsische Polizeivollzugsgesetz hergibt", so Christiane M. Sogar der Verfassungsschutz überwachte den Gefährder. Und doch: fünf Tage nach seiner Entlassung beging der Islamist das Attentat.

Christina M., selbst Islamwissenschaftlerin, sprach in der Haft immer wieder mit Abdullah und stellte fest, dass er "Wissenslücken" hatte. Seine "einseitige, religiöse Bildung beschränkte sich auf Propaganda". Das ging soweit, dass er sogar islamische Seelsorger als "falsche Gelehrte und Abtrünnige" ablehnte.

Und Abdullah, der im Oktober 2020 wegen des Attentats wieder festgenommen wurde, ist wohl bis heute von seinem Weg überzeugt. Im November ging er im Knast auf Justizbeamte los, versuchte zu beißen, zu treten und zu schlagen. Und brüllte unentwegt: "Allahu akbar" und "Ich werde euch alle töten".

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Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Ove Landgraf

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