Dresden - Eigentlich muss sich Markus S. (31) derzeit am Landgericht Dresden verantworten, weil die Polizei gut 300 Gramm Crystal bei ihm fand. Doch darum ging es beim Prozessauftakt überhaupt nicht. Viel mehr um den Polizeieinsatz, bei dem das Rauschgift zufällig entdeckt wurde.
Ursprünglich wollten die Beamten Markus helfen. Doch dieser Einsatz lief derart aus dem Ruder, dass jetzt sogar gegen einen Polizisten wegen versuchten Totschlags ermittelt wird!
Im Januar rückten zwei Streifenwagen und ein Rettungsteam nach Großenhain aus. Alarmiert von einem Freund von Markus, der nach einer kryptischen Nachricht von einem möglichen Suizidversuch ausging.
Sie trafen Markus in seinem Zimmer im Haus seiner Eltern an. Doch er öffnete nicht. Eine minutenlange Diskussion begann: Markus sprach von Ruhestörung, er wolle sich nichts antun, die Beamten könnten abziehen.
"Er hat sich nicht überreden lassen, zu öffnen", so ein Polizist. "Weil der Notarzt ihn aber sehen wollte, drohten wir, die Tür gewaltsam zu öffnen." Was dann auch geschah. Sie traten die Tür ein.
Laut Anklage sprühte Markus ihnen dann Reizgas entgegen und hatte eine Machete in der Hand. Er wurde mehrfach gewarnt, dann fielen zwei Schüsse. Markus, getroffen an Hand und Oberkörper, sei noch immer auf die Beamten zugekommen, jetzt mit Machete und Knüppel. Wieder wurde geschossen. Erst dann ergab er sich. Markus ist daher auch wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt.
Doch inzwischen ist ein Video aufgetaucht, dass im Prozess gezeigt wurde. Das nahm Markus auf, als die Polizei die Tür eintrat. Darin ist zu sehen: Er sprüht Reizgas, geht dann einen Schritt zurück ins Zimmer. Es fallen Schüsse. Markus geht zu Boden, hat nichts mehr in der Hand. Während er auf dem Boden sitzt, fällt erneut ein Schuss.
Gerichtsprozess könnte sich zum Polizeiskandal entwickeln
"Die Polizisten agierten rechtswidrig und willkürlich", so der Verteidiger. Weder das Eintreten der Tür noch die Schüsse waren gerechtfertigt. Mithin seien auch alle "Ermittlungsergebnisse danach", also auch der Fund der Drogen, in keiner Weise verwertbar. Den Einsatz soll nun ein Professor einer Polizeischule in Nordrhein-Westfalen prüfen.
Die Polizisten, die beim Einsatz waren, blieben bei ihren bisherigen Aussagen. Einzig der Kollege, gegen den tatsächlich ermittelt wird, schwieg. Der Prozess wird fortgesetzt.