Julia S. kassierte nach Fehlgeburt mehrfach ab: Trickserei bringt Mutter in den Knast
Dresden - Eine Fehlgeburt, ein Doppelleben und tausend Tränen: Vor dem Dresdner Amtsgericht wurde Julia S. (33) von ihrer Vergangenheit eingeholt. Trotz unzähliger Schicksalsschläge wurde die alleinerziehende Mutter zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt.
Julia hatte im Februar 2023 eine Stelle als zahnmedizinische Fachangestellte begonnen. Kurz darauf meldete sie ihrem Arbeitgeber eine Schwangerschaft.
Der Vater des Kindes hatte sich aus dem Staub gemacht. Julia entschied sich dennoch fürs Kind - und verlor es in der zehnten Woche. Statt dies zu melden, blieb sie im Beschäftigungsverbot. Bei vollem Gehalt.
Sie sei in ein Loch gefallen, schilderte sie weinend vorm Richter. Sechs Wochen später nahm sie eine neue Stelle in einer anderen Praxis an. Bis Anfang 2024 erhielt sie so doppelt Gehalt.
Eine Prüfung der Krankenkasse deckte den Fall auf. Damit nicht genug: Kurz darauf beantragte die alleinerziehende Mutter Leistungen beim Jobcenter. Dass sie bereits wieder arbeitete, verschwieg sie.
Zahnarzthelferin legt umfassendes Geständnis ab - und muss trotzdem hinter Gitter
Vor Gericht legte sie ein umfassendes Geständnis ab. Sie habe das Geld für Miete, Essen und ihren 14-jährigen Sohn gebraucht. Ihr Anwalt beschrieb die junge Frau in einem psychischen Ausnahmezustand.
Die Staatsanwaltschaft sprach aber von hoher krimineller Energie: Die Frau sei mehrfach einschlägig vorbestraft. Die Betrügereien geschahen sogar während einer laufenden Bewährung. Richter Schindler folgte dieser Einschätzung: "Eine Bewährung war nicht mehr drin."
Julia S. muss die Haft antreten und den rund 21.000 Euro teuren Schaden zurückzahlen.
Titelfoto: Bildmontage: Peter Schulze, Monika Skolimowska/dpa
