Prozess um ermordeten Polizisten: So liefen die letzten Sekunden vor dem tödlichen Aufprall

Dresden - Bleibt der Tod des Dresdner Polizisten Maximilian Stoppa (†32) ungesühnt? Ob der Mordprozess gegen Autodieb Dawid K. (27), wie von seinem Verteidiger beantragt, einfach eingestellt wird, will Richter Frank Schollbach (60) erst am Ende des Prozesses entscheiden.

Der Tod des Polizisten Maximilian Stoppa (†32) sorgte für Entsetzen und Trauer.
Der Tod des Polizisten Maximilian Stoppa (†32) sorgte für Entsetzen und Trauer.  © DPA

Am Montag machten Zeugen vom Tattag jedoch deutlich, wie rücksichtslos das Auto durch Lauchhammer raste. Und, dass auch erst der falsche Autodieb unter Mordverdacht geriet.

Der selbstständige Vertreter Uwe K. (64) muss auch über ein Jahr nach dem Geschehen schlucken, wenn er an den 7. Januar 2025 denkt: "Ich war auf dem Weg zum Steuerberater", sagte er vor Gericht. "Ich befand mich auf der Mückenberger Straße."

Diese wird nach einem Kreisverkehr zur Bockwitzer Straße, dem Tatort. Auf der Gegenfahrbahn habe gerade ein Laster entladen, hinter ihm ein paar Autos gewartet.

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Plötzlich habe ein blaues Auto die Kolonne überholt: "Da kam einfach etwas Blaues frontal auf mich zugeschossen. Ich kann mir bis heute physikalisch nicht erklären, wie es möglich war, dort auszuweichen."

Der Unfall war da schon geschehen. Als Uwe K. am Tatort ankam, habe er noch die Wiederbelebungsversuche gesehen: "Ich habe den aufgeregten Ruf gehört: 'Das ist mein Kollege!'"

In der Bockwitzer Straße in Lauchhammer endete eine Flucht tödlich.
In der Bockwitzer Straße in Lauchhammer endete eine Flucht tödlich.  © xcitepress

Zeugen beschreiben tödlichen Aufprall

Dawid K. (27, r.) muss sich in Cottbus wegen Mordes verantworten.
Dawid K. (27, r.) muss sich in Cottbus wegen Mordes verantworten.  © Ove Landgraf

Andere Zeugen beschreiben, wie die Flucht des blauen Skoda im brandenburgischen Plessa begann.

Rentnerin Karin Ö. (73) berichtet unter Tränen, wie sie nur einen Menschen durch die Luft fliegen sah. Kfz-Schlosser Manfred H. (65) habe beim Tanken die Tragödie vollständig gesehen: "Da kam ein blauer Skoda auf mich zugefahren. Da ist der Mann in die Luft geflogen, er ist über das Auto geflogen."

Wegen des Tötungsdeliktes landete jedoch zuerst Michał "Babka" S. in Untersuchungshaft. "Der hat mir gesagt, dass er auf der Rückbank des Skoda geschlafen hatte", sagt Pole Artur K. (48). "Er war Ersatzfahrer für ein gestohlenes Auto."

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Artur K. saß damals auch in U-Haft, sitzt mittlerweile 20 Monate für Hehlerei und verbotenes Kraftfahrzeugrennen ab. Und: Schon zwei Tage nach dem tödlichen Crash saß er auch mit Dawid K. in Haft. Dieser habe ihm da auf dem Klo schon gestanden, dass er den Polizisten überfahren habe. Die beiden Polen kamen ins Gespräch, da sie offenbar für denselben Hintermann gestohlen haben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: DPA

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