Schlimmer Rad-Unfall: Eine Sekunde entschied über Leben und Tod des Architekten

Dresden - Eine Sekunde oder drei Kilometer pro Stunde beendeten am 23. Juli 2024 das Leben des Dresdner Architekten Holm Pinkert (†68). Lasterfahrer Gabor V. (58) hatte den Radler mit seinem Laster in Gruna überrollt. Dafür wurde er am Mittwoch vor dem Dresdner Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Beim Abbiegen mit seinem Laster erfasste das Gefährt von Gabor V. (58) den Radler.  © Roland Halkasch

Rund 30 Jahre war Gabor V. schon Berufskraftfahrer, legte rund 4000 Kilometer pro Woche zurück, baute dabei nie einen Unfall.

Das änderte sich schlagartig am 23. Juli vor zwei Jahren: 7.51 Uhr bog er von der Rosenberg- nach rechts in die Schneebergstraße ab. Auf dieser war Pinkert gerade mit seinem Rad unterwegs in sein Büro, kam von links und hatte Vorfahrt.

Doch Gabor V. sah ihn nicht, sein Gefährt überrollte den Dresdner. Erst durch ein komisches Geräusch und schreiende Passanten wurde er auf den Unfall aufmerksam, stieg aus und erlitt einen psychischen Zusammenbruch.

Gerichtsprozesse Dresden Streit um Hunde eskaliert: Rentner wegen Schlag ins Gesicht vor Gericht

Holm Pinkert kam noch mit einer schweren Rumpfquetschung ins Krankenhaus, doch dort verstarb er um 8.25 Uhr.

Die Ermittlungen ergaben, dass der Kraftfahrer den Radler zum Unfallzeitpunkt nicht sehen konnte, da er vom Außenspiegel des 12-Tonners verdeckt war.

Anzeige
Der beliebte Architekt Holm Pinkert (†68) kam bei dem Unfall ums Leben.  © Norbert Neumann
Das Rad des Dresdners wurde auf der Schneebergstraße erfasst.  © Roland Halkasch
Der Laster wollte nach rechts in die Schneebergstraße abbiegen.  © Roland Halkasch

Zweimal hatte der Fahrer zuvor in beide Richtungen geschaut, die Haltelinie dann allerdings mit 15 Kilometern pro Stunde statt der vorgeschriebenen Schrittgeschwindigkeit überfahren. Gerichte legte letztere in einen Bereich von 10 bis 12 km/h.

Gabor V. musste sich nach dem Unfall in psychologische Behandlung begeben, litt unter Alpträumen und schweren Schuldgefühlen. Im November 2024 konnte er schrittweise wieder eingegliedert werden, fuhr ab Januar 2025 wieder normal.

Doch schon ab April 2025 kam es wieder zu Rückfällen. Seit die Vorladung zur Gerichtsverhandlung kam, ist er mit einer posttraumatischen Belastungsstörung krankgeschrieben, ließ sich deshalb vor Gericht von seiner Anwältin vertreten.

Gerichtsprozesse Dresden Er führte eine "Beziehung" zu einer Elfjährigen: Knast für pädophilen Familienvater

Den Fehler selbst gestand er vollständig ein, bekam dafür 90 Tagessätze zu je 40 Euro (3600 Euro). "Er hat die Schrittgeschwindigkeit minimal überschritten", so die Richterin. "Doch dabei sehr großen Schaden hinterlassen."

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden: