"Tritt ins Gesicht": Vater von Emma (†21) äußert sich zum Urteil

Dresden - Nach der Urteilsverkündung gegen Emmas (†21) Freund, der sie im Drogenrausch in einem Wald bei Laußnitz (Landkreis Bautzen) brutal mit einem Messer angegriffen hatte, meldet sich nun ihr Vater zu Wort.

Für Emmas Vater ist das Urteil ein weiterer Tritt ins Gesicht.
Für Emmas Vater ist das Urteil ein weiterer Tritt ins Gesicht.  © Instagram/Screenshot/patrick_dre_

Es war der Moment, auf den Emmas Eltern und Angehörige gewartet hatten: Gerechtigkeit für ihre Emma. Doch das Urteil fiel milder aus als erwartet. "Das ist ein weiterer Tritt ins Gesicht", so ihr Vater Patrick Drebenstedt auf Facebook.

Denn nach einer zehntägigen Hauptverhandlung hinter verschlossenen Türen in Dresden kam der 17-Jährige ohne Haftstrafe oder Sicherungsverwahrung davon. Stattdessen wird er unbefristet in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht, wie das Landgericht Dresden am Donnerstag mitteilte.

Laut dem rechtsmedizinischen Gutachten wurde die Tat rechtlich als Totschlag eingestuft - Mordmerkmale seien nicht erfüllt, und der 17-Jährige sei aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung schuldunfähig. Auch Femizid wird demnach ausgeschlossen.

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"Wer seine Ex-Partnerin mit einem Messer bedroht, wer seine Tat einschätzen kann, wer gezielt handelt, der ist für uns nicht einfach schuldunfähig", so Drebenstedt, der das Urteil nicht nachvollziehen und nur schwer verkraften kann.

Für die Eltern von Emma ist das Urteil kaum zu ertragen

Zwischen zwei Bäumen wurde ein großes Banner nahe dem Landgericht gespannt, auf dem "Rest in Peace and Power" und "Gerechtigkeit für Emma" zu lesen war.
Zwischen zwei Bäumen wurde ein großes Banner nahe dem Landgericht gespannt, auf dem "Rest in Peace and Power" und "Gerechtigkeit für Emma" zu lesen war.  © Facebook/Screenshot/Patrick Dre

Die Eltern von Emma blieben während des gesamten Prozesses weitgehend außen vor - das Jugendstrafrecht schützte den minderjährigen Täter.

Dadurch erhielten sie nur bruchstückhafte Informationen von ihrer Anwältin und fühlten sich auch bei der Urteilsverkündung übergangen.

"Die Kommunikation war von Anfang an stolprig, distanziert und für uns als Eltern in vielen Momenten kaum zu ertragen [...]. Wieder einmal hatten wir das Gefühl, nur am Rand zu stehen, obwohl es um unser Kind geht", erklärt Drebenstedt.

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Bereits vor der öffentlichen Urteilsverkündung hatte Emmas Vater immer wieder in den sozialen Medien zur Unterstützung vor dem Landgericht Dresden aufgerufen.

Jedes Mal, als der weiße Mercedes-Van mit dem jungen Mann vorfuhr und an der Einfahrt des Gerichts kurz stoppte, hielten die Eltern und Demonstranten - darunter zahlreiche Mitglieder der Dresdner Rave-Szene - Plakate, Sprüche und Bilder von Emma an die verdunkelte Scheibe.

"Wir werden weiter laut sein, weil dieses Urteil für uns kein Abschluss ist, sondern ein weiterer Schlag", so Drebenstedt.

Unter den Beitrag auf Facebook und Instagram sind zahlreiche Kommentare zu finden, die das Urteil ebenfalls nicht nachvollziehen können, ihr Beileid aussprechen und Gerechtigkeit für Emma fordern.

Titelfoto: Bildmontage: Instagram/Screenshot/patrick_dre_, Facebook/Screenshot/Patrick Dre

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