Bekannt aus dem TV: Sachsens prominentester Gerichtsvollzieher wegen Betrugsverdachts im Visier der Justiz!

Leipzig - Ein sächsischer Obergerichtsvollzieher hat möglicherweise über Jahre Postzustellungsurkunden gefälscht, um die Gebühren in die eigene Tasche stecken zu können. Vier Jahre ermittelt die Justiz bereits in- und extern gegen den Beamten. Jetzt liegt eine Anklage beim Schöffengericht vor. Der aus dem Fernsehen bekannte Räumungs-Exekutor darf seine Geschäfte vorerst nicht mehr ausüben.

"Spiegel TV" widmete Obergerichtsvollzieher Uwe N. (59) einst eine Reportage.
"Spiegel TV" widmete Obergerichtsvollzieher Uwe N. (59) einst eine Reportage.  © Bildmontage: Alexander Bischoff

Ob "Spiegel TV" oder "Gerichtsvollzieher"-Serie auf SAT.1 - wenn Uwe N. (59) in Leipzig unterwegs war, um Wohnungen zu räumen, war die Kamera gern mit dabei. Immer wieder gab der Obergerichtsvollzieher in der Öffentlichkeit den harten Beamten, der Mietschuldner mit Recht und Gesetz konfrontierte.

Doch möglicherweise hat das der Staatsdiener selbst nicht immer genau genommen, wie Ermittlungen der Dienstaufsicht und der Staatsanwaltschaft nahelegen.

Wie das Oberlandesgericht Dresden (OLG) als Dienstaufsicht auf TAG24-Anfrage bestätigte, fiel bereits 2016 einer Prüferin auf, dass auf Postzustellungsurkunden in N.s Akten häufig der Name nur einer Post-Zustellerin auftauchte.

Eine daraufhin veranlasste Überprüfung dieser Unterschriften durch die Deutsche Post habe ergeben, dass es sich in einer Mehrzahl von Fällen nicht um die Unterschrift der Post-Mitarbeiterin handelte, erklärte OLG-Sprecherin Gesine Tews.

Hier im Amtsgericht Leipzig wurde N. nach Bekanntwerden der Vorwürfe ins Archiv versetzt, trat seinen Dienst aber bis heute nicht an.
Hier im Amtsgericht Leipzig wurde N. nach Bekanntwerden der Vorwürfe ins Archiv versetzt, trat seinen Dienst aber bis heute nicht an.  © Ralf Seegers
Der ehemalige Präsident des Oberlandesgerichts Sachsen, Ulrich Hagenloch, zeigte den Gerichtsvollzieher bereits 2017 an.
Der ehemalige Präsident des Oberlandesgerichts Sachsen, Ulrich Hagenloch, zeigte den Gerichtsvollzieher bereits 2017 an.  © Ove Landgraf

Zahlreiche Beweise: Uwe N. wegen Urkundenfälschung und Betruges angeklagt

Da die internen Ermittlungen den Verdacht massiver Urkundenfälschung ergaben, erstattete der damalige OLG-Präsident Ulrich Hagenloch im April 2017 Anzeige gegen Uwe N. Drei Jahre lang ermittelte die Staatsanwaltschaft und stieß dabei auf Merkwürdigkeiten. So verschwanden aus dem Lager des Obergerichtsvollziehers bei einer Spedition plötzlich Hunderte Postzustellungsurkunden aus den Akten. Was vielleicht auch daran lag, dass ein erster polizeilicher Beschlagnahmeversuch am fehlenden Schlüssel gescheitert war...

Immerhin: Im Büro des Beamten sicherten die Ermittler noch Hunderte Akten, in denen zahlreiche gefälschte Postzustellungsurkunden gelegen haben sollen. Für die Staatsanwaltschaft Beweis genug, den Obergerichtsvollzieher wegen Urkundenfälschung in 91 Fällen und in 89 Fällen wegen Betruges anzuklagen.

"Er soll dabei jeweils unrichtige Postzustellungsurkunden hergestellt und anschließend - mit Ausnahme von zwei Fällen - Auslagen unter Vorspiegelung tatsächlich nicht durchgeführter Zustellungen abgerechnet haben", erklärte Staatsanwältin Jana Friedrich.

Das Schöffengericht hat bislang nicht über eine Verfahrenseröffnung entschieden. Eine TAG24-Anfrage bei dem in den Innendienst versetzten und seither dauerhaft krankgeschriebenen Beamten zu seiner Sicht auf die Vorwürfe blieb bislang unbeantwortet.

Titelfoto: Ralf Seegers; Alexander Bischoff / Montage

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