Belastende Mails im Korruptions-Skandal: "Wir könnten damit Millionen verdienen"

Leipzig - Die Aufdeckung des Korruptionsskandals im Markkleeberger Bauamt hat möglicherweise ein "Millionen"-Geschäft dubioser Immobilienmakler verhindert. Anhaltspunkte dafür gibt der von der Kripo gesicherte E-Mail-Verkehr des Stadtplaners, der aktuell wegen des Verdachts der Bestechlichkeit vor Gericht steht.

Wegen Bestechlichkeit vor Gericht: Stadtplaner Sven Pleße (58), der heute Bauamtsleiter von Markranstädt ist.
Wegen Bestechlichkeit vor Gericht: Stadtplaner Sven Pleße (58), der heute Bauamtsleiter von Markranstädt ist.  © Ralf Seegers

"Wir könnten damit Millionen verdienen", steht in einer E-Mail, die auf dem Dienstrechner von Sven Pleße (58) gefunden wurde. Sie soll von einem Duz-Bekannten des Stadtplaners stammen, der zu jener Zeit im Raum Leipzig als Immobilienmakler tätig war.

Eigentlich sollte jener Ralf M. am gestrigen Donnerstag als Zeuge im Korruptions-Verfahren gehört werden. Doch sein Anwalt ließ schriftlich mitteilen, dass M. von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen werde, was denjenigen zusteht, die sich durch ihre Aussage selbst einer Straftat belasten würden (§ 55 StPO).

Auch der Immobilienentwickler Ralf H., der einem hochrangigen Polizisten das nicht bebaubare Grundstück im Denkmalgarten Raschwitz als Bauland verkaufte, beruft sich auf jenen Paragrafen 55 und erschien nicht vor Gericht.

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Den Ermittlungen zufolge hatte er das Grundstück für 52.000 Euro vom Alteigentümer als nicht bebaubar erworben und nach der Manipulation des Bauplanes durch Stadtplaner Pleße für 146.000 Euro an seinen Bekannten, den Polizeibeamten, weiterverkauft.

Dieser Bebauungsplan der Raschwitzer Villen-Siedlung wurde manipuliert.
Dieser Bebauungsplan der Raschwitzer Villen-Siedlung wurde manipuliert.  © Alexander Bischoff

Hatte Stadtplaner finanzielle Probleme?

Das von Immobilienmaklern und Bauherren begehrte Grundstück im Denkmalgarten darf eigentlich nicht bebaut werden.
Das von Immobilienmaklern und Bauherren begehrte Grundstück im Denkmalgarten darf eigentlich nicht bebaut werden.  © Alexander Bischoff

Weitere Mails, die auf dem Dienstrechner des Bauamtes gesichert wurden, legen den Verdacht nahe, dass der Stadtplaner den Immobilienhaien nicht nur einmal zu Diensten war.

Die Versuchung sei zu groß gewesen, habe Pleße in einer Anhörung im Rathaus gesagt, berichtete Markkleebergs OB Karsten Schütze (54, SPD) im Zeugenstand. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Pleße Geld für seine Bebauungsplan-Manipulation geboten wurde.

Vor Gericht kam auch zur Sprache, dass der heute als Bauamtsleiter in Markranstädt tätige Angeklagte damals finanzielle Probleme hatte, die aus einer Scheidung resultierten. Pleße selbst weist den Vorwurf der Bestechlichkeit vehement zurück.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Bildmontage / Alexander Bischoff / Ralf Seegers

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