Diebe erbeuten 450.000 Euro: Schließfächer in Sachsens Goldschloss geplündert!
Leipzig - Mit dem Aufbruch Tausender Bankschließfächer in Gelsenkirchen ging das vergangene Jahr mit einem kriminellen Coup zu Ende. Was kaum einer weiß: Auch in Sachsen gab es einen Angriff auf ein vermeintlich sicheres Depot, verschwanden Geld und Edelmetalle aus Schließfächern. Seit Mittwoch steht ein Israeli als mutmaßlicher Drahtzieher vor dem Leipziger Landgericht.
Das Schloss Güldengossa ist ein malerisches Kleinod im Leipziger Neuseenland.
Im Jahr 2006 kaufte die schwäbische Unternehmerfamilie Geiger das spätbarocke Herrenhaus und baute es zum Stammsitz ihrer Edelmetall-Aktiengesellschaft aus.
Seither werden auf dem herrschaftlichen Anwesen diskret Geschäfte mit Gold, Silber, Platin und wertvollen Münzen abgehandelt. Praktischerweise bieten die Geigers ihrer Kundschaft gleich noch "Schließfächer nach Bankenstandard" an.
Diese entsprächen "höchsten Sicherheitsstandards" und seien "mit modernster Einbruchssicherung" versehen, heißt es weiter im Prospekt.
Dennoch gelang es einer multinationalen Bande, am 30. Oktober 2023 elf dieser vermeintlich sicheren Fächer zu knacken. Mit einem simplen Schraubendreher, wie es die polizeilichen Ermittlungen ergaben.
Der Trick der Verbrecher: Sie mieteten Wochen vor dem Coup mit gefälschten Ausweisen selbst Schließfächer im Schloss an. Das ersparte den Tunnelbohrer.
Denn so wurden zwei der Gangster von den Schlossherren freundlich eingelassen, während zwei weitere vor dem Anwesen Schmiere standen.
Mit vollgestopften Rollkoffern am Personal vorbei
Um die Diskretion zu wahren, schloss eine Mitarbeiterin die Herren laut Anklage in dem mit drei Türen gesicherten Tresorraum ein.
So konnten sie in aller Ruhe elf Fächer aufhebeln, daraus kiloweise Gold und Silber, diverse Goldmünzen, große Geldmengen in unterschiedlichen Währungen und sogar Uropas Eisernes Kreuz einsacken.
Gesamtwert: rund 450.000 Euro.
Hernach ließen sich die Ganoven vom Personal wieder ausschließen und wanderten mit vollgestopften Rollkoffern aus dem Schloss, ohne dass irgendwem die aufgebrochenen Fächer auffielen. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur.
Mastermind der Bande soll Reuven E. (38) gewesen sein. Laut Anklage soll er den Coup geplant und dessen Ausführung von Leipzig aus dirigiert haben.
Am 14. Juli vorigen Jahres wurde der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Israeli am Flughafen Prag festgenommen. Zuvor hatte der einzige Deutsche (69) im Panzerknacker-Team, der frühzeitig gefasst worden war, sein Schweigen gebrochen.
Reuven E. will im Prozess schweigen, wie seine Verteidiger erklärten. Donnerstag soll der Kronzeuge vernommen werden.
Titelfoto: Montage: Ralf Seegers

