Femizid in Leipzig: Selbstmitleidiger Mörder nimmt Opfern die letzte Würde

Leipzig - Es war ein schockierendes Verbrechen, das selbst hartgesottenen Ermittlern an die Nieren ging. Im August letzten Jahres tötete ein Mann in Leipzig seine Ex-Partnerin (42) und versuchte danach, den gemeinsamen Sohn (10) zu erstechen. Weil er bestrafen und vernichten wollte! Beim am Freitag beginnenden Prozess nahm der Mörder den Opfern noch die letzte Würde.

Eine Frau und ihr Mörder: Eines der letzten Fotos von Susann K. (42, l.) - seit Freitag steht ihr einstiger Lebensgefährte Nick W. (37, F. r.) wegen vollendeten und versuchten Mordes vor Gericht.  © Bildmontage: privat ; Ralf Seegers

Auch jetzt, mehr als ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod von Susann K., will er sie immer noch nicht loslassen. Wenn Nick W. (37) von ihr spricht, nennt er sie noch immer "meine Frau" - obwohl sich die Klinik-Mitarbeiterin vor ihrem gewaltsamen Tod längst von ihm getrennt hatte.

Bis heute will der Angeklagte, der in der gleichen Klinik als Raumpfleger arbeitete, das nicht wahrhaben. Vor Gericht behauptete er immer wieder, dass sie noch ein Paar gewesen seien. Sein Auszug - "keine Trennung, nur etwas Abstand".

Susann K. hatte dies anders gesehen, sich bereits wieder neu verliebt. Jener Mann war am 18. August auch bei ihr in der Wohnung, als Nick W. laut Anklage die Tür eintrat und mit gezogenem Messer auf seine Ex-Partnerin zustürmte. Er rammte ihr die zehn Zentimeter lange Klinge direkt in den Bauch.

Gerichtsprozesse Leipzig Beim Schornsteinfeger sehen sie rot: Zwillinge (66) lösen filmreifen Polizeieinsatz aus

Zwar gelang Susann durch einen Sprung aus dem Fenster der Hochparterre-Wohnung die Flucht. Doch auf der Straße brach sie zusammen und verblutete. Das Messer hatte ihre Leber-Arterie zerfetzt.

Anzeige

14 Messerstiche - Kind muss als "Aggressions-Ersatz" herhalten

Was danach geschah, ist schier unbegreiflich: Nick W. ging ins Kinderzimmer und stach auf seinen vom Krach erwachten Sohn ein. Nicht nur einmal. Ganze 14 Einstiche zählten die Rechtsmediziner - auch potenziell tödliche in die Brust. Dass das Kind überlebte, grenzt an ein Wunder. Fünfeinhalb Stunden dauerte die Not-OP!

Nach der Attacke schleifte er seinen Sohn laut Anklage in die Küche, stieß ihn in eine Ecke und ließ das stark blutende Kind einfach liegen. Zuvor soll er dem Zehnjährigen noch entgegen gebrüllt haben, dass Mamas neuer Freund an all dem hier Schuld sei und die Familie kaputt gemacht habe.

Anzeige
Für Susanns Mutter (l.), die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, sind die Ausführungen des Angeklagten kaum erträglich. Ebenfalls im Bild: die Anwältinnen der Nebenklage - Alexandra Tust (r.) und Antonia Sturma.  © Ralf Seegers

Wenn ein Femizid im Geständnis zum "Unfall" wird

Ein Kriminaltechniker kommt nach der Dokumentation des Tatortes aus dem Wohnhaus, in dem der Mord geschah.  © Alexander Bischoff

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Geschehen eine brutale Straf-Aktion. Susann habe der Angeklagte bestrafen wollen, weil sie keine Beziehung mehr mit ihm führen wollte. Gegen das eigene Kind richtete sich die Aggression, weil Susann durch ihre Flucht aus dem Fenster für den Angeklagten nicht mehr greifbar gewesen sei, so Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob.

Die Version, die Nick W. dem entgegenstellte, grenzte stellenweise an eine Verhöhnung der Opfer. Er sei an jenem Abend zu Susann gefahren, weil sie nicht ans Telefon ging, er Sorge um sie hatte. "Sie hatte ja immer wieder Probleme mit dem Kreislauf", so der Angeklagte. Dass er ein Messer dabei hatte, begründete er mit der Angst, von Susanns neuem Freund angegriffen zu werden.

Die erste Messerattacke - für Nick W. eine Art Unfall: "Ich bekam plötzlich die Küchentür an den Rücken, bin erschrocken und da traf das Messer ihren Bauch...." Danach sei er in einen "Schockzustand" gefallen und daraus erst wieder erwacht, als sein Sohn zu schreien begann. "Ich hatte ihn mit dem Messer getroffen", so W.s Darstellung der 14 Messerstiche auf das Kind.

Gerichtsprozesse Leipzig Tödlicher Angriff auf Ex-Freundin und Sohn: Morgen beginnt der Prozess gegen Nick W.

"Meine Welt um mich herum war zerbrochen", schluchzte Nick W. voller Selbstmitleid. Und versuchte dem Gericht immer wieder klarzumachen, dass es ihm immer nur darum gegangen sei, "dass meine Frau glücklich ist".

Der Prozess wird mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt.

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Leipzig: