Ist Sachsens bekanntester HNO-Arzt ein Millionen-Betrüger?

Leipzig - Er ist einer der bekanntesten Ärzte Sachsens und gilt auf seinem Fachgebiet als Koryphäe: der Leipziger HNO-Professor Dr. Gero Strauß (54). Seine Kopfzentrum-Gruppe (KZG) zählte zu den größten Medizinischen Versorgungszentren in Mitteldeutschland. Doch 2021 begann mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen der brutale Abstieg. Seit Dienstag steht der einstige Star-Arzt als mutmaßlicher Millionen-Betrüger vor Gericht.

Gefallener Medizin-Star: HNO-Professor Gero Strauß (54) sitzt als mutmaßlicher Millionen-Betrüger auf der Anklagebank.  © Ralf Seegers

Er wirkt neben seinem Anwalt wie ein verschüchterter Pennäler, weicht Blicken aus und ist sichtbar nervös. Von der einstigen Selbstsicherheit des vor laufender Kamera operierenden und auf Kongressen referierenden HNO-Arztes, der gern im Privat-Jet reiste und in seiner Acqua-Klinik Nasen aus aller Welt richtete, ist nichts mehr zu spüren.

Die heile Welt des HNO-Gurus begann bereits 2021 zu bröckeln, als der MDR in einer Reportage bei Operationen "verpfuschte" Patienten zu Wort kommen ließ und Ermittlungen wegen Abrechnungsbetruges öffentlich wurden.

Wie die Staatsanwaltschaft auf TAG24-Anfrage erklärte, laufen die Verfahren bis heute, ist die Anzahl der Beschuldigten rund um die Acqua-Klinik inzwischen auf 19 Personen, davon 13 Ärzte, angewachsen.

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In dem am Dienstag gestarteten Prozess geht es hingegen um Betrugs- und Untreuevorwürfe nach dem Verkauf des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Kopfzentrum-Imperiums mit seinen Dutzenden Niederlassungen 2022 an eine Frankfurter Investorengruppe.

Trotz der Ermittlungen behielten die Hessen Strauß als (Fremd-)Geschäftsführer und ärztlichen Leiter. Und haben das offenbar bitter bereut.

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Luxus-Leben führte in den Abgrund

Polizisten durchsuchten 2022 die Acqua-Klinik - die Verfahren wegen Abrechnungsbetruges sind bis heute nicht abgeschlossen.  © Christian Grube

Laut Anklage soll Strauß für die KZG sieben Darlehen in Gesamthöhe von knapp 1,5 Millionen Euro bei den Investoren aufgenommen haben, um angeblich weiter expandieren zu können.

Doch laut Staatsanwaltschaft soll er mit dem Geld nicht weitere Praxen erworben, sondern damit seinen aufwendigen Lebensstil finanziert haben.

In weiteren Punkten listet die Anklage Geldabflüsse von insgesamt 214.000 Euro von den Konten der KZG auf, mit denen Strauß unter anderem Flüge mit Privat-Jets, ein Luxus-Apartment in Berlin, teure Hotel- und Restaurantbesuche, die Mitgliedschaft im elitären Berliner China-Club und sogar die Schüler-Nachhilfe für seine Kinder bezahlt haben soll.

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Auch Mietbetrug ist angeklagt. So soll der Arzt 2023 unter Vorspiegelung seiner Zahlungsfähigkeit für 5730 Euro monatlich eine 181 Quadratmeter große Luxus-Wohnung im feinen Charlottenburg angemietet haben. Gezahlt hat er jedoch kaum etwas. Nach der Zwangsräumung im Februar 2024 blieb die Vermieterin laut Anklage auf Außenständen in Höhe von 51.464 Euro sitzen.

Zum Prozessauftakt wollte Strauß keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Sein Anwalt Christian Schößling deutete stattdessen gesundheitliche Probleme seines Mandanten an, die sich auf dessen Verhandlungsfähigkeit auswirken könnten. Für den nächsten Prozesstag am 9. Juni kündigte Schößling ein entsprechendes Attest der Berliner Charité an.

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