Prozess gegen Wohnmobil-Betrüger: Hausmeister als Strohmann eingesetzt?
Leipzig - Am Donnerstagmorgen wurde vor der 3. Strafkammer des Leipziger Landgerichts der zweite Versuch unternommen, das Verfahren gegen eine mutmaßliche Betrügerbande zu eröffnen. Nach den Scherereien beim ersten Anlauf erschienen dieses Mal alle drei Angeklagten pünktlich und am richtigen Gebäude.
Dabei tauchte der im Fokus stehende Rolf F. erneut mit Rauschebart, Sonnenbrille und Hut auf, nahm beides jedoch ab, nachdem er den TAG24-Fotografen freundlich mit einem erhobenen Mittelfinger begrüßt hatte.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio unter Federführung F.'s gewerbsmäßigen Betrug vor. Sie sollen von April 2019 bis Februar 2022 mit dem in Nordsachsen ansässigen Unternehmen "Eurocamp" gebrauchte Wohnmobile in den Benelux-Ländern angekauft und zum Weiterverkauf nach Deutschland gebracht haben. Zuvor sollen sie jedoch einen Zwischenstopp in einer niederländischen Werkstatt eingelegt haben, um die Kilometerzähler zurückzuschrauben.
So kaufte demnach beispielsweise ein Herr L. [Anm. d. Red.: Name geändert] im April 2020 ein Wohnmobil (Erstzulassung 2011) für 38.000 Euro, welches laut Inserat erst 33.100 Kilometer auf dem Tacho hatte. Im Verkaufsgespräch hatte Rolf F. dazu offenbar immer die passende Erklärung parat, so habe das Fahrzeug etwa einem alten Ehepaar gehört und sei deshalb kaum bewegt worden. Praktischerweise bezahlte Herr L. vor Ort in bar.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben später jedoch, dass das besagte Wohnmobil bei einem dokumentierten Werkstattbesuch im Januar 2020 bereits 183.000 Kilometer gelaufen war. In anderen Fällen soll Rolf F. zudem vorausgegangene Unfallbeteiligungen und entstandene Schäden an den Campern verschwiegen haben.
Ein Geschäftsführer, der nicht richtig lesen und schreiben kann
Am ersten Verhandlungstag sagte am Donnerstag nun die ehemalige Mitarbeiterin von Rolf F., Christin P. [Anm. d. Red.: Name geändert], aus und machte ihrem Ex-Chef dabei schwere Vorwürfe.
So soll etwa der Mitangeklagte Frank T. zwar lediglich als Hausmeister für "Eurocamp" tätig gewesen sein, wurde von Rolf F. jedoch als Geschäftsführer aktenkundig eingetragen und leistete in diesem Rahmen auch zahlreiche Unterschriften.
"Frank kann nicht richtig lesen und schreiben", sagte Christin P. "Geschäftsführer war er nur auf dem Papier, er war dazu intellektuell gar nicht in der Lage. Meiner Meinung nach ist er nur ein Strohmann."
Laut Christin P. zahlte Rolf F. seinem Geschäftsführer ein monatliches Gehalt in Höhe von stattlichen 400 Euro - und das, obwohl der Hausmeister in Vollzeit für das Unternehmen tätig gewesen sein soll.
Die Verteidiger von Rolf F. machten Zweifel an den Aussagen von Christin P. deutlich. Diese unterschieden sich demnach teils massiv von Äußerungen, die P. bereits in einem anderen Gerichtsverfahren zu "Eurocamp" getätigt hatte. Ein Großteil ihrer Erkenntnisse basiere zudem nicht auf eigenen Erlebnissen, sondern auf Schilderungen von anderen Mitarbeitern des Unternehmens.
Die Angeklagten selbst äußerten sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Mit einem Urteil kann aktuell frühestens im Januar 2027 gerechnet werden.
Titelfoto: Silvio Bürger

