"Shiny Flakes" scheffelte Millionen: Diese Patzer ließen den "Kinderzimmer-Dealer" auffliegen!

Leipzig - Bereits vor zwei Jahren wurde der "Kinderzimmer-Dealer" Maximilian S. aus Leipzig-Gohlis frühzeitig von seiner siebenjährigen Haftstrafe entlassen. Bei "Kripo live - Tätern auf der Spur" rollen die Ermittler heute Abend ab 21.15 Uhr den Fall des jungen Drogenhändlers noch einmal auf und zeigen, wie die Behörden der berüchtigten Plattform "Shiny Flakes" schließlich auf die Schliche kamen.

Von seinem Kinderzimmer in der elterlichen Wohnung in Leipzig-Gohlis aus verkaufte Maximilian S. Kokain, MDMA, LSD und mehr.
Von seinem Kinderzimmer in der elterlichen Wohnung in Leipzig-Gohlis aus verkaufte Maximilian S. Kokain, MDMA, LSD und mehr.  © Screenshot MDR

Wir erinnern uns: Zwischen 2013 und 2015 baute der damals gerade volljährig gewordene Maximilian S. aus seinem heimischen Kinderzimmer heraus die Drogenhandel-Plattform "Shiny Flakes" auf.

Hinter abgeschlossener Tür ließ der Leipziger sich Drogen aus dem Ausland liefern, vermittelte diese sowohl über das "Dark Web" als auch das für alle sichtbare Internet verschlüsselt an seine Kunden und versendete seine Pakete voller Kokain, LSD, Amphetamine, Marihuana und MDMA in alle Welt.

Der junge Mann hat zwar "nur" die Realschule besucht, gilt aber als überdurchschnittlich intelligent und perfektionistisch.

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"Alles, was er tat, musste er perfektionieren, das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben", erinnerte sich sein Anwalt Stefan Costabel.

Hochmut kommt vor dem Fall: Junger Drogen-Dealer machte kleine Fehler

Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz war in die Ermittlungen rund um "Shiny Flakes" verwickelt.
Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz war in die Ermittlungen rund um "Shiny Flakes" verwickelt.  © Screenshot MDR

Nachdem die Plattform "Shiny Flakes" Ende 2013 gegründet worden war, explodierten Anfang 2014 die Bestellungen:

Bis zu 16 Stunden am Tag war Maximilian S. damit beschäftigt, die Bestellungen entgegen zu nehmen, abzuwiegen, zu verpacken und über eine Packstation der Post anonym zu versenden. Dabei agierte er überaus vorsichtig, nutzte mehrere Telefone, um mit seinen Kurieren zu kommunizieren und warf seine Päckchen erst kurz vor der Abholung der Post in die Briefkästen.

Und trotzdem: Sein fehlender Erfahrungshorizont und der steigende Hochmut führten zu kleinen, aber wichtigen Fehlern.

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"Einige seiner Pakete waren nicht ausreichend frankiert, sodass sie zurückgesendet werden mussten. Da aber keine Adresse angegeben war, mussten die Postmitarbeiter früher oder später die Pakete öffnen, um Anhaltspunkte für den Absender finden zu können", so Oberstaatsanwalt Ricardo Schulze.

2015 wurde Maximilian S. zu sieben Jahren Haft nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß.
2015 wurde Maximilian S. zu sieben Jahren Haft nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß.  © Screenshot MDR

Maximilian S. schuldet dem Staat noch 3 Millionen Euro

Über seine Kunden auf der Plattform "Shiny Flakes" führte Maximilian S. eine Excel-Tabelle - diese nutzte die Polizei später für weitere Ermittlungen.
Über seine Kunden auf der Plattform "Shiny Flakes" führte Maximilian S. eine Excel-Tabelle - diese nutzte die Polizei später für weitere Ermittlungen.  © Screenshot MDR

23 unzustellbare Drogenpäckchen führten Ermittler im Frühjahr 2014 dann zur Leipziger Packstation von Maximilian S.: Durch Observation konnte dieser schließlich auch beobachtet werden, wie er sich mit einem Taxi voller Drogen-Sendungen zur Packstation fahren ließ.

Im Februar 2015 beobachteten die Beamten dann schließlich die Übergabe von Ware zwischen Maximilian S. und einem Kurier - beide konnten festgenommen werden. Dann kam raus, so der MDR: Der Leipziger hatte knapp 14.000 Bestellungen abgewickelt. In seinem Zimmer fanden die Fahnder 320 Kilogramm Drogen mit einem Marktwert von 4,1 Millionen Euro – einer der größten Drogenfunde in der Geschichte der Bundesrepublik!

Wenig später startete der Prozess gegen den jungen Drogenhändler.

Der Teenager aus Gohlis wurde nach Jugendstrafrecht zu sieben Jahren Haft verurteilt, die er erst in der JVA in Regis-Breitingen und dann in Waldheim absaß. Wobei vom Sitzen hier nicht die Rede sein konnte: Maximilian S. wurde als Zeuge in ganz Deutschland genutzt, um die Strafverfahren gegen all seine Kunden zu unterstützen, die der junge Mann akribisch in einer Excel-Tabelle eingetragen hatte.

Im Februar 2019 wurde "Shiny Flakes" dann schließlich vorzeitig aus der Haft entlassen und ist seitdem auf freiem Fuß. Von den Drogen wird er wohl künftig eher die Finger lassen: Nach seinem Prozess schuldet der heute 26-Jährige dem Staat noch knapp drei Millionen Euro.

Titelfoto: Screenshot MDR

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