Prozess um Magdeburg-Anschlag: Gutachter hält Attentäter für schuldfähig

Magdeburg - Am Mittwoch wurde das Gerichtsverfahren gegen den Attentäter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt fortgesetzt. Während eines Gutachtens fuhr Amokfahrer Taleb A. (51) aus der Haut und sorgte für eine Unterbrechung.

Taleb A. (51) steht wegen mehrfachen Mordes vor dem Landgericht Magdeburg. (Archivfoto)
Taleb A. (51) steht wegen mehrfachen Mordes vor dem Landgericht Magdeburg. (Archivfoto)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Zunächst wurde erneut ein Dolmetscher als Sachverständiger geladen. Dieser musste eine Tonaufnahme aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzen.

Darin schimpfte Taleb A. in einem Online-Meeting über die deutsche Polizei, Justiz und Behörden. Das Beweisstück zeigte, wie wütend und aggressiv der Angeklagte werden kann.

Während der Präsentation eines Gutachtens zur Schuldfähigkeit kam es zu einem Zwischenfall. Der Amokfahrer schrie dazwischen, schimpfte laut, gestikulierte wild und schlug mehrmals mit seiner Hand auf den Tisch.

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TAG24 war wieder vor Ort und berichtete live. Den kompletten Verhandlungstag könnt Ihr in diesem Artikel nachlesen.

15.01 Uhr: Prozesstag wird durch den Vorsitzenden beendet

Nachdem der Gutachter eine Schuldfähigkeit des Attentäters unter anderem aufgrund fehlender Einsicht und Reue sowie einer Wiederholungswahrscheinlichkeit bestätigt, ist der Prozesstag durch den Richter Sternberg beendet worden.

Die Verhandlungen werden am 9. Februar fortgesetzt. Dann soll auch mitgeteilt werden, wie der gesamte Prozessablauf "verschlankt" wird.

14.28 Uhr: Gutachter hält Attentäter für schuldfähig

Der Sachverständige Dr. med. Langer hält den Angeklagten laut seinem ausführlichem Gutachten für schuldfähig.

Er sehe keine Anzeichen, dass Taleb A. laut §20 StGB vermindert schuldfähig sei. Zudem empfiehlt er den Attentäter nicht in eine psychiatrische Einrichtung einzuweisen.

14.01 Uhr: Amokfahrer wollte häufig mit Druckmitteln Ziele erreichen

Egal, ob Bewunderung, im Mittelpunkt stehen oder Entscheidungen beeinflussen: Taleb A. habe immer wieder Druckmittel genutzt, um seine Ziele zu erreichen.

So soll er laut dem Gutachten zur Schuldfähigkeit immer wieder einen Hungerstreik durchgeführt oder angekündigt haben, um Entscheidungen bei Behörden zu beeinflussen.

Auch das Bundeskanzleramt soll er in der Vergangenheit angerufen haben. Er teilte am Telefon mit, sich eine Waffe beschaffen zu wollen, mit der er zwei Richter erschießen wolle.

Der Sachverständige Dr. med. Langer sieht bei dem Angeklagten einen deutlichen Mangel an Empathie sowie eine narzisstische Persönlichkeit.

13.24 Uhr: Taleb A. verhält sich nach dem Zwischenfall auffällig

Die Präsentation des Gutachtens über die Schuldfähigkeit des Amokfahrers enthält viele Details seiner vergangenen Lebensjahre, die in aufwendiger Arbeit zusammengetragen wurden.

Taleb A. verhält sich nach dem Zwischenfall in seiner "Sicherheitskabine" auffällig. Er hält sich die Ohren mit den Zeigefingern zu, zittert und wackelt auf seinem Stuhl auf und ab.

Augenscheinlich muss er sich stark zusammenreißen, nicht noch einmal aus der Haut zu fahren.

13.11 Uhr: Verhandlung wird mit Ermahnung des Angeklagten fortgesetzt

Der Aufruhr des Angeklagten ist auch nach der Pause noch nicht vergessen. Vorsitzender Sternberg richtet seine ersten Worte direkt an Taleb A.: "Jeder soll zu Wort kommen, wenn es so weit ist. Und wenn Sie einfach reinschreien, dann nimmt Sie niemand ernst."

Der Richter hofft, dass der 51-Jährige die Pause zum "Herunterfahren" genutzt hat. Anschließend geht es mit der Präsentation des Gutachtens zur Schulfähigkeit weiter.

Seit dem Ausraster des Angeklagten sind die vermummten Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. (Archivbild)
Seit dem Ausraster des Angeklagten sind die vermummten Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

12.17 Uhr: Richter unterbricht und ordnet Pause an

Nach dem Vorfall schwindet die Konzentration auf den Vortrag des Sachverständigen. Währenddessen schreit und diskutiert Taleb A. in seiner "Sicherheitskabine" immer weiter.

Der Vorsitzende unterbricht die Verhandlung und ordnet eine Pause bis 13 Uhr an.

12.05 Uhr: Zwischenfall während Präsentation von Gutachten

Während das Gutachten zur Schuldfähigkeit des Attentäters vorgetragen wird, meldet sich Taleb A. in seiner "Sicherheitskabine" zu Wort.

Mit regelrechten Schreien unterbricht der Attentäter den Vortrag. Die vermummten Sicherheitskräfte hinter dem Angeklagten sind in Alarmbereitschaft.

Der Sachverständige Dr. med. Langer sprach in diesem Moment über die von Taleb A. immer wieder kritisierte "säkulare Flüchtlingshilfe" in Köln. Als dieser von einem "Konkurrenzkampf" zwischen A. als Flüchtlingshelfer und dem Kölner Verein sprach, eskalierte die Situation.

Der vorsitzende Richter Sternberg schaltete das Mikrofon des Angeklagten ab. Der Amokfahrer schrie weiter. Seine Rufe waren aus der Sicherheitskabine heraus und durch mehrere Fenster bis in den Zuschauerraum zu hören. Mehrmals schlug er mit der Handfläche auf den Tisch.

11.43 Uhr: Sachverständiger gibt Einblick in Leben von Taleb A.

Dr. med. Langer berichtet unter anderem über die Kindheit von A. So soll dieser bereits in der 7. Klasse kritische Überlegungen über die Evolutionstheorie geäußert haben.

Zudem habe er sehr früh die islamische Glaubensfrage hinterfragt. Abseits der Schule hätten andere Kinder Taleb A. gemieden.

Bei einer Bewertung der Schuldfähigkeit seien auch die ersten beiden Prozesstage ausschlaggebend gewesen, bei denen der Amokfahrer die Tat aus seiner Sicht schildern durfte.

Das bisherige Leben des Attentäters floss in einem Gutachten ein, welches die Frage der Schuldfähigkeit klärt.
Das bisherige Leben des Attentäters floss in einem Gutachten ein, welches die Frage der Schuldfähigkeit klärt.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

11.28 Uhr: Jetzt geht es um die Schuldfähigkeit

Ist Taleb A. schuldfähig oder nicht? Darum geht es jetzt in einem Gutachten des Sachverständigen Dr. med. Langer, welches er persönlich vorstellt.

Er hat sich über mehrere Monate mit dem Lebenslauf des Attentäter beschäftigt und versucht ihn persönlich zu sprechen. Ein Mitwirken habe der Angeklagte allerdings abgelehnt.

11.14 Uhr: Seltsamer Moment nach Frage vom Anwalt

Der Vorsitzende Richter Sternberg möchte vom Angeklagten wissen, ob er die vorgespielte Aufnahme und seine Stimme darin als echt bestätigen kann.

Anstatt ihm direkt zu antworten, drehte sich Taleb A. in Richtung seines Verteidigers und verdeckte seinen Mund mit der Hand. Sein Anwalt teilte daraufhin mit: "Mein Mandant teilte mir mit, dass er sich derzeit nicht in der Lage sieht auf diese Frage zu antworten."

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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