Prozess um Magdeburg-Anschlag: Schreiben und Testament von Taleb A. verlesen

Magdeburg - Der Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ging am Donnerstag weiter: Am mittlerweile 14. Verhandlungstag standen der berufliche Werdegang sowie Aussagen des Angeklagten zu seiner Horror-Tat im Fokus.

Der Prozess um den Magdeburger Todesfahrer Taleb A. (51) wurde fortgesetzt.
Der Prozess um den Magdeburger Todesfahrer Taleb A. (51) wurde fortgesetzt.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Am ersten Verhandlungstag nach der langen Weihnachtspause waren keine Zeugen geladen. Der Angeklagte Taleb A. (51) erschien vor Gericht mit einem neuen Bart- und Haarschnitt.

Der 51-Jährige äußerte sich zu Beginn über seine Jugend und seinen beruflichen Werdegang. Dabei schweifte er ständig ab und weinte zwischenzeitlich, als er von einer Katze erzählte.

Im Prozess wurde ein Video einer Vernehmung mit dem Angeklagten gezeigt und anschließend mehrere interne und private Schriftstücke verlesen, darunter E-Mails, Bekennerschreiben und auch sein Testament, was er am Anschlagsabend bei sich führte.

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TAG24 war wieder für Euch vor Ort und berichtete live. Den ganzen Verhandlungstag könnt Ihr in diesem Artikel nachlesen.

12.29 Uhr: Prozess beendet

Nach dem Verlesen der Schriften beendet Richter Dirk Sternberg den Prozesstag frühzeitig.

Die Verhandlung wird am 13. Januar fortgesetzt, es werden sechs Zeugen erwartet.

12.14 Uhr: Taleb A. drohte Anwälten

Anschließend werden interne Dokumente, E-Mails sowie Schreiben von Taleb A. verlesen, in denen er unter anderem seinen Unmut gegenüber den Behörden und seinem eigenen Rechtsbeistand erneut unterstreicht.

In einer E-Mail an seine ehemaligen Anwälte spricht der Angeklagte konkrete Beleidigungen und Bedrohungen aus. "Haben Sie gar nicht daran gedacht, dass ich Sie und Ihre Kinder [...] für die nächsten 30 Jahre jagen, schlachten könnte?" schrieb der 51-Jährige demnach.

Der Angeklagte Taleb A. (51) äußert sich am Verhandlungstag wieder selbst.
Der Angeklagte Taleb A. (51) äußert sich am Verhandlungstag wieder selbst.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

11.31 Uhr - Bekennerschreiben von Taleb A.: "dachte, bis dahin bin ich schon tot"

Ein Vorsitzender verliest ein weiteres Bekennerschreiber des Angeklagten. Darin schildert der Todesfahrer, dass er in den Tagen und Wochen vor dem Anschlag seine Attacke probte, den Weihnachtsmarkt oft besuchte und eigentlich die Gäste vom Restaurant "Alex" am Magdeburger Ulrichplatz angreifen wollte.

Taleb A. habe sich bei seinem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt gefreut zu sehen, wenn sich Menschen in Sicherheit bringen konnten. Er sei ein freundlicher Mensch, den nichts mehr freue, als andere glücklich zu machen, steht in dem Brief.

Er erinnert sich daran, dass er nach der Todesfahrt verwirrt war, als er wieder auf die Hauptstraße einbiegen musste. "Ich dachte bis dahin bin ich schon tot", schreibt er.

Er habe abschließend eine Polizistin gefragt, wie viele Leute er durch den Angriff verletzt hatte. Sie vermutete zu diesem Zeitpunkt mehrere Dutzend Menschen. "Wow, eine enorme Nummer", heißt es in dem Schreiben von Taleb A.

11.14 Uhr: Taleb A. spricht von sexueller Misshandlung in der JVA Dresden

Ein Schreiben von Taleb A., was er im März 2025 in Haft verfasst hat, wird jetzt verlesen. Darin stehen unter anderem Ankündigungen, dass "alle Deutschen außer meine Anwälte und Freunde" umgebracht werden sollen.

Taleb A. begründet seine Drohungen wie folgt: Das Trinkwasser in seiner Haftzelle in der JVA Dresden sei vergiftet worden. Dadurch wurde er so krank, dass er sich sicher war, dass er sterben würde. "Ich habe mich gefühlt wie eine Katze, die auf der Straße von einem Auto angefahren wurde", erklärt er.

Außerdem soll ein Wächter ihn sexuell misshandelt und beim Duschen beobachtet haben, auch habe ihn der Geruch von Essen in seiner Zelle gestört. Er wurde dadurch so wütend, dass er das Schreiben schließlich verfasste, schildert er vor Gericht.

Auf die Frage von Richter Sternberg, ob er zu seinen Aussagen aus dem Brief noch immer stehen würde, gibt der Angeklagte ausschweifende und unklare Antworten.

Das Testament und andere Schreiben von Taleb A. werden vorgelesen.
Das Testament und andere Schreiben von Taleb A. werden vorgelesen.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

11.03 Uhr: Das steht in Taleb A.'s Testament

Vor Gericht wird das Testament vorgelesen, was mit dem Angeklagten am Anschlagsabend in seinem Auto gefunden wurde.

Darin steht, dass er nach seinem Tod mit Feuerbestattung in Deutschland beerdigt werden will. Seine persönlichen Gegenstände sollen vernichtet, sein Totenschein an die saudische Botschaft geschickt und all sein Geld an das Rote Kreuz gespendet werden.

Das Schreiben war auf den Tag des Anschlags, dem 20. Dezember 2024 datiert. Taleb A. behauptet vor Gericht jedoch, dass er das Testament nicht wegen dem Anschlag verfasst habe, sondern es immer beim Autofahren dabei habe.

10.58 Uhr: Taleb A. konnte sich nach der Tat nicht erinnern

In dem Video schildert der Angeklagte, dass er am Anschlagsabend eigentlich mit seinem Mietauto zu einem Hotel fahren wollte.

Als der Haftrichter den Angeklagten fragte, ob er sich an seinen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt erinnern kann, sagte Taleb A. lediglich: "Ich habe keine Worte. Ich versuche mich zu erinnern, aber es klappt nicht." Er erinnert sich erst wieder daran, dass er festgenommen wurde.

Abschließend sagte der Todesfahrer im Video, dass die Befragung "nichts bringt", er wolle "alleine sein", um seine Gedanken zu sortieren. Damit endet das Video.

10.45 Uhr: Video von Taleb A.'s Vernehmung wird gezeigt

Das Gericht zeigt jetzt ein Video von einer Vernehmung des Angeklagten am 21. Dezember 2024 - nur einen Tag nach seiner Todesfahrt. In dem Video sieht man den Angeklagten mit einem Dolmetscher und seinem Anwalt.

Der 51-Jährige erläutert in der Aufnahme die Gründe für seinen Anschlag. Das Zivilverfahren gegen die Säkulare Flüchtlingshilfe in Köln habe ihn "beschäftigt" und er habe andere Asylsuchende vor den Ungerechtigkeiten schützen wollen, die er selber in Deutschland erlebt habe. Er spricht davon, dass Staatsanwaltschaften und andere Behörden Verbrechen gegen ihn verübt hätten.

Diese Aussagen decken sich mit denen, die er auch bislang im Prozess geäußert hat.

Das Video von Taleb A.'s erster Vernehmung wird vor Gericht gezeigt.
Das Video von Taleb A.'s erster Vernehmung wird vor Gericht gezeigt.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

10.19 Uhr: Taleb A. spricht von massiven Schulden

Taleb A. verkündet, dass er als Arzt in Bernburg zuletzt ein Nettoeinkommen von 6300 Euro verdient habe. Auf die Rückfrage einer Anwältin, ob er Schulden habe, will er keine Antwort geben.

Ein Vorsitzender hakt aber erneut nach. Der Angeklagte hat nach eigenen Angaben 50.000 Euro Schulden bei seinem eigenen Bruder.

10.15 Uhr: Angeklagter war verheiratet

Taleb A. schildert dann, dass er in den Neunzigern mit einer Frau verheiratet gewesen war. "Das war eine religiöse Ehe, die haben wir nicht beim Staat angemeldet", erläutert er.

Gemeinsame Kinder hatten sie nicht. Die Ehe hielt nur für etwa acht Monate, seitdem war er aber nicht mehr in einer Beziehung.

10.12 Uhr: Taleb A. überlebte tödlichen Autounfall

Richter Sternberg lässt Taleb A. nun nicht mehr selbst erzählen, sondern stellt ihm konkrete Fragen. Der Angeklagte schildert, dass er bei einer alleinerziehenden Mutter mit vier weiteren Kindern aufgewachsen sei.

Der 51-Jährige kam mit fünfeinhalb Jahren in die Schule und absolvierte sein Abitur und Studium in Saudi-Arabien, bevor er ab 2006 in Hamburg seine Facharztausbildung machte. Er lernte dann in den USA, in Bochum und schließlich in Hannover. 2014 bekam er seine Approbation und beantragte Asyl, was er 2016 genehmigt bekam, erklärt er vor Gericht. Seit 2020 arbeitete er dann im Maßregelvollzug in Bernburg.

Dann schweift er ab und behauptet, Ende der Neunziger einen Autounfall in Saudi-Arabien miterlebt zu haben, wo alle ums Leben kamen nur er nicht. Er habe Beckenfrakturen erlitten und war in medizinischer Behandlung. Dann spritzte er sich Jahre später selbst Botox in sein Gesicht, um die Symmetrie wiederherzustellen.

Im Prozess schildert der Angeklagte seinen beruflichen Werdegang.
Im Prozess schildert der Angeklagte seinen beruflichen Werdegang.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

9.58 Uhr: Taleb A. bricht in Tränen aus

Der 51-Jährige erzählt eine Geschichte von Katzen, die er in seiner Jugend besessen habe, und von einem Hund, der "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen haben soll. Deshalb sei er nach eigenen Angaben Veganer geworden und danke Dieter Bohlen dafür, erzählt er. Seine Schilderungen sind zusammenhangslos und wirr.

Als er von seiner letzten Katze erzählt, die ausgesetzt wurde, ringt der Angeklagte um Fassung und bricht plötzlich in Tränen aus.

Richter Dirk Sternberg unterbricht diese Erzählung: Es habe nichts mit seinem beruflichen Werdegang zu tun.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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