Eklat vor Gericht: "Hells Angels"-Prozess platzt, weil Schöffe am Handy rumtippt
München - Seit rund einem Monat läuft vor dem Münchner Amtsgericht ein Prozess gegen "Hells Angels"-Mitglied Erkan A. und drei mutmaßliche Komplizen wegen Schutzgeld-Erpressung. Nun ist die Verhandlung geplatzt. Der Grund: ein unaufmerksamer Schöffe!
Wie "Bild" berichtete, soll der ehrenamtliche Richter während einer wichtigen Zeugenaussage zwei Minuten lang auf seinem Handy herumgetippt haben. Als die Verteidigung ihn dahingehend ansprach, erwiderte der Schöffe, dass er nur nach der Uhrzeit geschaut habe.
Die Verteidigung argumentierte dem Bericht zufolge, dass "uneingeschränkte Aufmerksamkeit während der Beweisaufnahme ein Kernbereich der richterlichen Tätigkeit" sei.
Man habe Sorge, dass sich der Schöffe bereits auf ein Urteil festgelegt habe. Die Richterin setzte der Prozess daraufhin aus.
"Die Vorsitzende hat die Ablehnungsgesuche der Angeklagten gegen den Schöffen wegen der Besorgnis der Befangenheit für begründet erklärt", sagte eine Gerichtssprecherin gegenüber "Bild".
"Hells Angels" sollen Schutzgeld von Münchner Club-Inhaber gefordert haben
Dem angeklagten Erkan A. und seinen drei mutmaßlichen Komplizen wird unter anderem versuchte Erpressung und Bedrohung vorgeworfen. Sie sollen vom Inhaber eines früheren Clubs im Münchner Werksviertel Schutzgeld gefordert und versucht haben, ihn massiv einzuschüchtern.
Im Juni soll das Verfahren neu aufgerollt werden.
Titelfoto: Franziska Kraufmann/dpa
