"Mit Vollgas durch": Polizist schildert Horror-Anschlag von München

Von Britta Schultejans

München - Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat am Montag ein Polizist zum tödlichen Anschlag auf eine Verdi-Demonstration vor einem Jahr ausgesagt. Farhad N. erfasste damals mit seinem Mini die erst zwei Jahre alte Hafsa im Kinderwagen und ihre Mutter Amel. Beide starben.

Farhad N. verdeckt im Gericht sein Gesicht.
Farhad N. verdeckt im Gericht sein Gesicht.  © Britta Schultejans/dpa

"Der Angeklagte scherte vor uns ein und beschleunigte", sagte der Beamte, der in einem Begleitfahrzeug am Ende des Demonstrationszuges mitgefahren war. "Mit Vollgas durch", so der Beamte.

Farhad N. habe sein Auto "ungebremst in die Menschenmenge, in das Ende des Demonstrationszuges" gefahren. Es sei eine "kerzengerade und zielgerichtete Fahrtrichtung" gewesen.

Der 25 Jahre alte Afghane, der unter Terrorverdacht und wegen zweifachen Mordes und 44-fachen versuchten Mordes vor Gericht steht, hatte zum Prozessauftakt Aussagen zur Tat und auch zu seiner Person verweigert.

Er soll "Allahu Akbar" gerufen haben: Prozess um tödlichen Auto-Anschlag in München beginnt
Gerichtsprozesse München Er soll "Allahu Akbar" gerufen haben: Prozess um tödlichen Auto-Anschlag in München beginnt

Dafür äußerte er sich ohne Worte: Er hob für die Kameras den rechten Zeigefinger nach oben - eine verbreitete Geste unter Muslimen weltweit, die den Glauben an den einen und einzigartigen Gott symbolisieren soll und die zuweilen auch als Erkennungszeichen unter Islamisten gilt.

Der Mini des Angeklagten wurde nach dem Anschlag abtransportiert.
Der Mini des Angeklagten wurde nach dem Anschlag abtransportiert.  © Matthias Balk/dpa

Farhad N. raste am 13. Februar 2025 mit Mini in Menschenmenge

Der Angeklagte war vor knapp einem Jahr, am 13. Februar 2025, noch am Tatort festgenommen worden, nachdem er mit seinem Kleinwagen in die Menschenmenge gerast war.

"Er war sehr ruhig", sagte der Polizist. Der Mann habe "bewusstseinsgetrübt" gewirkt, sein Blick sei "einfach starr ins Leere ausgerichtet" gewesen.

Mutter und Tochter starben durch Anschlag

Mit einem Mini Cooper tötete er Mutter und Tochter.
Mit einem Mini Cooper tötete er Mutter und Tochter.  © Christoph Trost/dpa

Der 25-Jährige soll das Auto gezielt in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1400 Teilnehmern gelenkt haben. Eine Mutter und ihre erst zwei Jahre alte Tochter starben, 44 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Der Polizist habe noch versucht, der Mutter zu helfen. Sie sei zunächst noch ansprechbar, aber sehr schwer am Kopf verletzt gewesen. "Sie griff mehrfach nach ihrem Kopf und mehrfach nach ihrem Kind", sagte der Beamte. Von dem Kind habe er kein Lebenszeichen mehr wahrnehmen können. Er berichtete von einem "Kinderwagen, der dem Erdboden gleich war".

Um den Tathergang zu rekonstruieren, sollen zunächst Polizeibeamte als Zeugen vor Gericht aussagen, erst zu einem späteren Zeitpunkt sollen dann die Betroffenen gehört werden. In wenigen Wochen jährt sich der Anschlag zum ersten Mal.

Ehepaar soll Mädchen versklavt haben: Mutmaßliches Opfer berichtet von Martyrium
Gerichtsprozesse München Ehepaar soll Mädchen versklavt haben: Mutmaßliches Opfer berichtet von Martyrium

Bis in den Sommer hinein sind Verhandlungstermine am OLG München angesetzt, das Urteil könnte am 25. Juni gesprochen werden. Auch am Jahrestag will das Gericht verhandeln - allerdings ohne Betroffene als Zeugen zu laden, damit diese an den Gedenkveranstaltungen teilnehmen können.

Titelfoto: Britta Schultejans/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse München: