Nach Missbrauchslüge: Anklage gegen Ex-Partnerin von Josephine R.

Von Christian Brahmann

Braunschweig - Eine Frau aus Salzgitter (Niedersachsen) soll mit ihren Missbrauchslügen mitverantwortlich dafür sein, dass ein Paar mehr als zwei Jahre unschuldig im Gefängnis saß.

Die Angeklagte soll mit ihren Missbrauchslügen mitverantwortlich dafür sein, dass ein Paar mehr als zwei Jahre unschuldig im Gefängnis saß. (Symbolbild)
Die Angeklagte soll mit ihren Missbrauchslügen mitverantwortlich dafür sein, dass ein Paar mehr als zwei Jahre unschuldig im Gefängnis saß. (Symbolbild)  © Michael Matthey/dpa

Der 32-Jährigen werden falsche Verdächtigung, uneidliche Falschaussage und Freiheitsberaubung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig mitteilte. Das Verfahren ist als Missbrauchskomplex um Josephine R. bekanntgeworden, weil die jahrelangen Missbrauchslügen und Fehlurteile seit Jahren die Justiz beschäftigen.

Die Angeschuldigte war selbst wegen eines falschen Geständnisses zu angeblichem Missbrauch und anderer Gewalttaten an ihrer Ex-Freundin Josephine R. im Jahr 2022 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 6 Jahren und 5 Monaten verurteilt worden. Die Angeklagte hatte die Taten im Sommer 2022 vor dem Landgericht Braunschweig im Rahmen einer Verständigung eingeräumt.

Nach diesem ersten Prozess rückten schwere Missbrauchsvorwürfe des vermeintlichen Opfers Josephine R. gegen die eigene Mutter und den Stiefvater in den Fokus. Das Paar aus Bad Harzburg wurde nur wenige Tage nach dem ersten Urteil festgenommen.

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Im folgenden Prozess verurteilte dieselbe Strafkammer die Mutter zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 13,5 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der Partner bekam neun Jahre und sechs Monate Haft. 

Zweifel an Glaubwürdigkeit des Opfers - BGH hebt Urteil auf

Die heute 32-Jährige aus Salzgitter stand in Braunschweig vor Gericht: Sie wurde beschuldigt im Jahr 2021 ihre Ex-Freundin schwer misshandelt zu haben. (Archivbild)
Die heute 32-Jährige aus Salzgitter stand in Braunschweig vor Gericht: Sie wurde beschuldigt im Jahr 2021 ihre Ex-Freundin schwer misshandelt zu haben. (Archivbild)  © Moritz Frankenberg/dpa

Fast ein Jahr nach diesem zweiten Urteil hob der Bundesgerichtshof (BGH) den Schuldspruch auf. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war auch öffentlich klar, dass es starke Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Josefine R. als vermeintlichem Opfer gab.

Eine andere Strafkammer in Braunschweig rollte den Prozess gegen die Eltern neu auf und kam im September 2024 zu der Überzeugung, dass "die angeklagten Taten nicht stattgefunden haben".

Die im ersten Prozess verurteilte Ex-Partnerin widerrief ihr Geständnis und das OLG Braunschweig entschied, dass sie freizulassen ist.

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Wegen ihrer früheren Falschangaben im Prozess gegen die Eltern wurde sie nun erneut angeklagt und ihr drohen zwischen einem Jahr und zehn Jahren Haft.

Ein Verhandlungstermin vor dem Schöffengericht in Braunschweig steht noch nicht fest. 

Fall als Justizfehler bundesweit bekannt

Mehrere große Medien griffen den Komplex nach dem Freispruch für die Eltern auf und kamen zu dem Schluss, dass es sich um einen der größten Justizfehler des Landes handele. Tenor:

Viel zu einfach sei es dem vermeintlichen Opfer Josephine R. gelungen, Behörden, Ärzte, Gutachter, Staatsanwaltschaft und Gericht zu belügen.

Titelfoto: Michael Matthey/dpa

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