Aus Heimtücke und Habgier? Sohn soll eigene Eltern im Wahn erstochen haben

Von Ulrike Schödel

Bonn - Wegen eines mutmaßlichen Doppelmordes an seinen Eltern mit einem Dolch steht ein 48-Jähriger vor dem Bonner Schwurgericht. Er soll seinen Vater und seine Mutter - 72 und 73 Jahre alt - in ihrem Haus in Bornheim (Rhein-Sieg-Kreis) getötet haben.

Die Polizei hatte die Leichen des Ehepaars (72 und 73) im vergangenen Juni in deren Haus in Bornheim entdeckt. (Symbolfoto)
Die Polizei hatte die Leichen des Ehepaars (72 und 73) im vergangenen Juni in deren Haus in Bornheim entdeckt. (Symbolfoto)  © 123RF/udo72

Die Anklage geht von Heimtücke und Habgier aus - allerdings im Zustand der Schuldunfähigkeit. Die Staatsanwaltschaft hat die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik beantragt, die Tat soll der Sohn im Wahn begangen haben.

Laut Anklage soll sich der 48-Jährige, der zu dem Zeitpunkt massiv drogenabhängig gewesen sei, im Juni 2025 im Gartenhäuschen auf dem elterlichen Grundstück versteckt und seinem Vater aufgelauert haben.

Als der 72-Jährige morgens - wie immer - die Terrassentür öffnete, um den Hund in den Garten zu lassen, sei zunächst er und dann die Mutter vom Sohn attackiert worden. Beide verbluteten.

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Anschließend habe der 48-Jährige einen Tresor im Keller geöffnet, 3840 Euro Bargeld sowie einen Schmuckkasten mit einem Goldarmband und einem gold-silbernen Ring mit Stein entnommen, so der Vorwurf. Danach sei er mit dem Auto der Eltern davongefahren.

Nach dem mutmaßlichen Mord an seinen eigenen Eltern muss sich der 48-Jährige vor dem Schwurgericht in Bonn verantworten. (Symbolfoto)
Nach dem mutmaßlichen Mord an seinen eigenen Eltern muss sich der 48-Jährige vor dem Schwurgericht in Bonn verantworten. (Symbolfoto)  © Oliver Berg/dpa

Polizei will Eltern informieren: Niemand öffnet die Tür

Am nächsten Tag wurde der 48-Jährige von der Polizei aufgegriffen, weil er sich vor einem Müllcontainer entkleidet hatte. Als Streifenbeamte daraufhin die Eltern informieren wollten, dass sich ihr Sohn wegen eines psychischen Ausnahmezustandes in einer Klinik befinde, öffnete dort niemand. Stattdessen fand man die Leichen.

Zum Prozessauftakt erklärte der Angeklagte, dass er sich an Details des Geschehens überhaupt nicht erinnere. Auf Nachfrage des Gerichts räumte er ein, dass er in den Wochen vor der Tat zunehmend Stimmen gehört habe, die ihn massiv unter Druck gesetzt hätten und er sich "wie gesteuert" gefühlt habe.

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil ist für Ende März geplant.

Titelfoto: 123RF/udo72

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