Jahrelang einen ruhigstellenden Stoff verordnet? Kinderpsychiater droht der Knast

Von Petra Albers

Bonn - Seit über einem Jahr läuft der Prozess gegen den Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff wegen gefährlicher Körperverletzung – nun ist ein Ende in Sicht.

Der angeklagte Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff auf dem Weg in den Gerichtssaal. (Archivfoto)
Der angeklagte Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff auf dem Weg in den Gerichtssaal. (Archivfoto)  © Thomas Banneyer/dpa

Am Mittwoch (4. März) will das Bonner Landgericht das Urteil sprechen.

Laut Anklage soll Winterhoff Kindern und Jugendlichen teils über mehrere Jahre ein ruhigstellendes Psychopharmakon verordnet haben, obwohl dafür "keine Indikation im Rahmen der Zulassung des Medikaments bestanden" habe.

Zudem soll er die Sorgeberechtigten nicht umfassend über mögliche Nebenwirkungen und Behandlungsalternativen aufgeklärt haben.

Mann entführt und misshandelt: Täter setzen sich während Gerichtsprozess ab
Gerichtsprozesse NRW Mann entführt und misshandelt: Täter setzen sich während Gerichtsprozess ab

Die Staatsanwaltschaft hat für Winterhoff eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert.

Dabei geht sie von einer mittelbaren Täterschaft aus, da der 71-Jährige die Medikamente zwar verordnet, aber nicht selbst verabreicht habe.

Großteil der Fälle abgetrennt

Am Mittwoch (4. März) will das Bonner Landgericht das Urteil sprechen.
Am Mittwoch (4. März) will das Bonner Landgericht das Urteil sprechen.  © Thomas Banneyer/dpa

Winterhoff bestreitet die Vorwürfe. Er habe stets mit dem Ziel gehandelt, Patienten zu helfen und das Medikament nicht standardmäßig verschrieben.

Seine Anwälte plädierten auf Freispruch. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Ursprünglich war Winterhoff wegen 36 Fällen von gefährlicher Körperverletzung durch Beibringung von Gift angeklagt. Im Laufe des Prozesses hatte das Gericht aber 26 Fälle abgetrennt, sodass es im laufenden Verfahren nur noch um zehn Fälle geht.

Nach Tod von 19-Jähriger durch Sportwagen-Poser: Immer mehr brisante Details kommen ans Licht
Gerichtsprozesse NRW Nach Tod von 19-Jähriger durch Sportwagen-Poser: Immer mehr brisante Details kommen ans Licht

Das Antipsychotikum Pipamperon wird zur Behandlung von Schlafstörungen und Unruhezuständen eingesetzt.

Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte es laut Herstellerangaben nur unter besonderer Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses verordnet werden.

Titelfoto: Thomas Banneyer/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse NRW: