Nach 33 Jahren auf freiem Fuß: Vergewaltiger zu lebenslanger Haft verurteilt

Von Ulrike Schödel, Maurice Hossinger

Bonn - Mehr als 30 Jahre nach der Tötung einer 29-jährigen Stewardess in Bonn-Bad Godesberg hat das Bonner Schwurgericht einen mittlerweile 59-Jährigen wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Der heute 59 Jahre alten Mann wurde in Bonn zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilt. (Symbolbild)  © David Young/dpa

Das Landgericht Frankfurt sprach ihn wegen der Tat aus dem Jahr 1992 schuldig. Eine besondere Schwere der Schuld - wie von Staatsanwalt und Nebenklage gefordert - wurde nicht festgestellt.

Der Angeklagte war nach Wiederaufnahme des sogenannten Cold Case-Falls durch drei DNA-Spuren im Mai 2025 identifiziert worden. Bei seiner Festnahme lebte er in Bad Breisig (Rheinland-Pfalz) und arbeitete dort als Hilfskoch. Zum Prozessauftakt im Januar hatte er ein Geständnis abgelegt. 

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann am Tatabend gezielt "eine Zufallsperson" gesucht, um sie zu vergewaltigen. Nachdem er seine Tätigkeit in einem Bonner Gasthaus beendet hatte, habe er einige Biere getrunken, Drogen genommen und sei mit dem Fahrrad losgefahren.

Gerichtsprozesse NRW Mit Hammer und Kabelbindern: Frau lockt Ehemann in Falle und misshandelt ihn

Gegen drei Uhr morgens habe der Angeklagte die 29-Jährige gesehen, wie sie aus einem Auto stieg und auf die Wohnung ihres damaligen Freundes zuging, und beschlossen, seinen Plan umzusetzen. Die Tötung der Frau habe er ursprünglich nicht vorgehabt, hieß es im Urteil.

Anzeige

Leiche mit Rasierwasser in Brand gesteckt

Der Täter erdrosselte die Stewardess mit einem Kabel eines Lautsprechers. (Symbolbild)  © 123rf/olegchumakov

Nach der Vergewaltigung in der Wohnung habe er beschlossen, "die Zeugin zu beseitigen". Mit einem Lautsprecherkabel habe er sie erdrosselt. Anschließend habe er Rasierwasser über die Leiche geschüttet und sie in Brand gesetzt. Der Freund der 29-Jährigen entdeckte am Morgen die halb verkohlte Leiche.

Eine Mordkommission hatte daraufhin in viele Richtungen ermittelt, jedoch ohne Erfolg. 1995 wurde der Angeklagte wegen zwei anderer Vergewaltigungen zu sieben Jahren Haft verurteilt. In dem Zusammenhang wurde auch seine DNA gesichert.

Das Gericht stellte eine massive Persönlichkeitsstörung des Täters fest. Der Mann sei "erheblich dissozial" und ohne Empathie.

Gerichtsprozesse NRW Psychiater soll Kinder mit Medikamenten ruhig gestellt haben: Gericht kündigt Urteil an

Eine verminderte Schuldfähigkeit – wie von der Verteidigung gefordert – sahen die Bonner Richter jedoch nicht. Auch ein psychiatrischer Gutachter hielt ihn für voll schuldfähig.

Erstmeldung 5.54 Uhr, Update 20.59 Uhr.

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse NRW: