Er fackelte sein Elternhaus ab: Sohn vor Gericht, weil er seine Mutter getötet hat
Görlitz - Er wollte ein guter Sohn sein. Jahrelang pflegte Enriko G. (64) seine kranke Mutter Helga (†86). Doch nun sitzt der Produktionsarbeiter auf der Anklagebank im Landgericht Görlitz. Wegen Totschlags. Denn er legte in seinem Elternhaus in Großhennersdorf (bei Löbau) Feuer. Mutter Helga (86) starb.
"Ich habe kaum Erinnerungen", so Enriko. "Ich weiß nur noch, dass es eine Verpuffung gab." Im November 2025 eilten mehr als 60 Feuerwehrmänner mit 14 Fahrzeugen zum Einfamilienhaus an der Unteren Dorfstraße.
Dort stand das Obergeschoss schon in Flammen. Im Erdgeschoss lag Helga im Bett, ihr Sohn saß im Sessel daneben. Sie wurde geborgen, mit Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
Aber dort erlag die Mutter, die an zahlreichen massiven Vorerkrankungen litt, der Rauchvergiftung.
Sohn Enriko lag fast drei Wochen im Koma. Derweil fanden die Ermittler fünf Brandstellen, zahlreiche Kanister und einige abgeschraubte Brandmelder im Haus.
"Ich hatte einfach keine Kraft mehr", so Enriko in seinem Geständnis. Seit 2008 hatte sich der genügsame Sohn um die Eltern gekümmert. "Ab 2014, wo der Vater starb, habe ich dann alles gemacht", sagte der Angeklagte.
Und seine Mutter machte stets klar: "Sie wollte nie ins Heim. Sie sagte sogar, wenn ich dort hinmuss, bringt sie sich um."
Enriko G. "konnte nicht mehr"
Doch Helga wurde immer hinfälliger, war im Oktober 2025 sogar im Krankenhaus. In den Akten ist vermerkt, dass Kurzzeitpflege oder Heim "rigoros abgelehnt" wurden. Enriko: "Mutter war eben stur. Aber ich konnte nicht mehr." Dieser innere Konflikt, so der Gutachter, verursachte eine starke Depression beim Angeklagten.
Am Morgen des 4. November zündete er das Haus an. "Ich wollte Mutter nicht alleine lassen. Aber ins Heim wollte sie ja auch nicht", so der Sohn traurig. Urteil folgt.
Titelfoto: Montage: xcitepress, xcitepress/Thomas Baier
