Gift-Labor im Kinderzimmer: Schüler vor Gericht schuldig gesprochen

Zeithain/Riesa - Sein "Forscherdrang" sorgte für ein Großaufgebot von Polizei, LKA und Experten des Robert-Koch-Institutes im beschaulichen Zeithain. Ein Jugendlicher (17) hatte im eigens eingerichteten Labor im Dachgeschoss seines Elternhauses drei Ampullen eines Gemisches aus Aconitin und Ricin hergestellt. Ricin gilt als biologische Waffe! Nun saß der Hobby-Chemiker vorm zuständigen Amtsrichter in Riesa.

Im April waren über 150 Fachleute von LKA, Polizei und Robert-Koch-Institut in Zeithain zur Durchsuchung des Hobby-Labors.
Im April waren über 150 Fachleute von LKA, Polizei und Robert-Koch-Institut in Zeithain zur Durchsuchung des Hobby-Labors.  © picture alliance/dpa

Das Jugendschöffengericht tagte nichtöffentlich gegen den jungen Bastler, dem die Anklage noch mehr vorwarf.

So hatte der geständige Hobby-Chemiker online Grundstoffe für Blitzknaller gekauft. Er baute 13 dieser Geschosse, die dann im Familiengarten oder in der näheren Umgebung explodierten!

Verletzen, so war die Justiz überzeugt, wollte der Teenie aber niemanden. Auch für das LKA ergaben die Ermittlungen keine Hinweise auf "Selbst- oder Fremdschädigungsabsicht".

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Dennoch: Das extrahierte Ricin war kreuzgefährlich. Laut RKI hätte es durchaus einen Menschen töten können.

Der Zeithainer war bisher nicht vorbestraft, nie in U-Haft. Nun wurde er schuldig gesprochen - wegen 13-faches Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetzes (Böller) und der Herstellung und des Besitzes einer biologischen Waffe. Als erzieherische Maßnahme nach dem Jugendstrafrecht wurde ihm ein sozialer Trainingskurs aufgebrummt.

Titelfoto: picture alliance/dpa

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