Zwickau - Mehr als drei Jahre nach den Schüssen eines Zwickauer Polizisten auf einen BMW-Fahrer wird der Fall noch einmal vor Gericht aufgerollt. Polizeiobermeister Maximilian F. (34) war im vergangenen Spätsommer zunächst freigesprochen worden.
Doch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Jetzt geht es vor dem Landgericht erneut um die Frage, ob der Schusswaffeneinsatz gegen den flüchtenden Leipziger (45) gerechtfertigt war - oder ob der Beamte zu weit ging.
Auslöser war eine Verkehrskontrolle Ende Oktober 2022. Einer Streife war ein BMW ohne vorderes Kennzeichen aufgefallen. Als die Beamten den Wagen stoppen wollten, raste der Fahrer davon.
Es folgte eine Verfolgungsjagd durch Zwickau, bei der der Mann mit bis zu 120 km/h unterwegs war, rote Ampeln missachtete und riskant fuhr, so der Vorwurf der Anklage. Ein zweites Streifenteam errichtete auf der Humboldtstraße eine Sperre - doch der BMW fuhr weiter.
Genau dort stand Maximilian F. "Ich habe gesehen, wie das Fahrzeug auf mich zugerast ist, hatte Todesangst", sagte er. Da habe er die Waffe gezogen.
Laut Polizeiobermeister Maximilian F. war es blanke Notwehr
Am Steuer saß Kai H. (45) aus Leipzig. Der arbeitslose Verkäufer gab an, mit drei Bekannten auf dem Weg zu einer Halloween-Party gewesen zu sein. Außerdem räumte er ein, unter Crystal-Einfluss gestanden zu haben.
An die entscheidenden Sekunden erinnert er sich nur bruchstückhaft. "Ich habe einen Pkw überholt, sah ein blinkendes Polizeiauto und dann wurde es schwarz." Der Mann war schwer am Hinterkopf verletzt worden, musste ins Krankenhaus.
F. schilderte die Lage vor Gericht als blanke Notwehr. "Es ist inzwischen über drei Jahre her, doch es gibt keinen Tag, an dem ich nicht daran denken muss", sagte der 34-Jährige sichtlich mitgenommen.
Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.