Mann äußert sich nach tödlichem Unfall in Stuttgart: "Hätte nicht fahren dürfen"

Von David Nau

Stuttgart - Im Mai vergangenen Jahres kam ein Mann mit seinem Geländewagen von der Straße ab und fuhr in eine Menschengruppe in Stuttgart. Eine Frau (†46) starb im Krankenhaus. Im Prozess räumte der Mann einen Fehler ein.

Der Führerschein des Angeklagten wurde noch am Unfalltag eingezogen. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.  © Marijan Murat/dpa

Gut ein Jahr später hat der Prozess gegen den 43 Jahre alten Fahrer des Geländewagens begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann in ihrer Anklage fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung in acht Fällen sowie fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs vor.

Sie geht davon aus, dass er zum Unfallzeitpunkt wegen Drogen- und Arzneimittelkonsums fahruntüchtig gewesen sei.

Der 43-Jährige sei Anfang Mai im Bereich der Straßenbahnhaltestelle Olgaeck nahe der Stuttgarter Innenstadt mit seinem Geländewagen von der Fahrbahn abgekommen und in den Fußgängerbereich vor der Haltestelle gefahren, sagte der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklage.

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An den konkreten Ablauf des Unfalls kann sich der Mann eigenen Angaben zufolge nicht mehr erinnern. "Das Gehirn hat diese Sekunden gelöscht."

Seine Erinnerung setze erst wieder an dem Moment ein, nachdem er die Fußgänger erfasst habe. 

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Mann konsumierte Kokain und Schlafmittel

Der tragische Unfall passierte am Olgaeck in Stuttgart.  © Marco Krefting/dpa

Was im Prozess klar wurde: Erst eine Art Kurzschlussreaktion des Fahrers hat wohl zum Tod der 46-jährigen Frau geführt. Diese habe, als das Fahrzeug an der Treppe zur Haltestelle zum Stehen kam, hinter dem Vorderrad des Geländewagens gelegen, berichtete der Polizeibeamte, der den Unfall bearbeitet hat.

Dann legte der Angeklagte den Rückwärtsgang ein und überrollte die 46-Jährige. Eine Obduktion habe später gezeigt, dass die Rückfahrbewegung die tödlichen Verletzungen verursacht habe, so der Beamte.

Der Angeklagte erklärt sich sein Verhalten mit Panik. Hätte er gewusst, dass sein Zurücksetzen den Tod der Frau bedeutet hätte, hätte er das niemals gemacht, sagte er. Im Rückblick wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen, auszusteigen und zu schauen, wo die Verletzten sind. Das sei ihm nicht möglich gewesen, er sei in Panik geraten.

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Im Prozess räumte der Mann auch ein, dass er an dem Tag nicht in der Verfassung gewesen sei, ein Fahrzeug zu führen. Er habe am Vortag Kokain und Schlafmittel konsumiert. "Ich hätte nicht fahren dürfen", sagte der 43-Jährige vor dem Amtsgericht.

Keine Drogen seit dem Unfall

Die Angehörigen der Opfer bat der Angeklagte im Verfahren um Entschuldigung. Ihm sei aber klar, dass er darauf keinen Anspruch habe. Er trage die Verantwortung für das Geschehen. "Ich habe diesen Unfall nie gewollt." Er habe niemandem das Leben nehmen wollen - das ändere aber nichts daran, dass er die Ursache dafür gesetzt habe. 

Er zeigte sich tief betroffen von dem Unfall, sprach von einem "Tiefpunkt seines Lebens". Als er die Angehörigen während seiner Erklärung anschaute, brach ihm immer wieder die Stimme, mehrfach wischte er sich über die Augen.

Mit Blick auf seinen Drogenkonsum zeigte sich der Mann geläutert. Seit dem Tag des Unfalls stehe für ihn fest, dass er nie wieder Drogen nehmen wolle. Er sei seither abstinent, gehe regelmäßig zur Therapie und lasse regelmäßig Haarproben auf Drogenrückstände kontrollieren. 

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