Schülerinnen mehrfach missbraucht: Strafe für Lehrer steht fest
Von Marie-Hélèn Frech, Christian Rüdiger
Erfurt - Wegen des dutzendfachen sexuellen Missbrauchs von drei Schülerinnen muss ein früherer Erfurter Gymnasiallehrer für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Er wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Landgericht Erfurt sah es als erwiesen an, dass der heute 58-Jährige sich als Lehrer in 69 Fällen an den Schülerinnen vergangen hat.
Freigesprochen wurde er von dem Vorwurf, er habe in zwei Fällen eine der Schülerinnen vergewaltigt. Der Freispruch an dieser Stelle rühre nicht daher, dass die Kammer der Aussage der Nebenklägerin dazu keinen Glauben schenke, sagte Vorsitzende Richter Holger Pröbstel. Allerdings könnten diese nicht zweifelsfrei belegt werde. Eine Revision ist möglich.
"Das sind Taten, die durch nichts, aber durch gar nichts zu rechtfertigen sind", betonte Pröbstel. Der 58-Jährige habe sich in mehrerer Hinsicht als Lehrer "völlig disqualifiziert", erklärte Pröbstel weiter. Die Schülerinnen seien nicht in der Lage gewesen, dem Angeklagte etwas entgegenzusetzen.
Um Beziehungen auf Augenhöhe sei es nicht gegangen. Es sei die Aufgabe des früheren Religions- und Musiklehrer gewesen, klare Grenzen zu ziehen.
Ex-Lehrer räumt Missbrauch ein und bestreitet Vergewaltigung
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahre beantragt, die Verteidigung zwei Jahre Haft. Der Mann hatte den Missbrauch im Verfahren weitgehend eingeräumt, die Vergewaltigungsvorwürfe bestritt er.
Ein anderer Lehrer desselben Gymnasiums war Ende Oktober vergangenen Jahres wegen des langjährigen Missbrauchs einer Schülerin am Landgericht Erfurt zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.
Titelfoto: Marie-Helen Frech/dpa
