Missbrauch in der Kirche: Sexualität und Zölibat sollten Thema in Priesterausbildung sein

Düsseldorf - Der Strafrechtsprofessor Joachim Renzikowski fordert, das Thema Sexualität und Probleme mit dem Zölibat umfassend in der Priesterausbildung zu verankern.

Die SPD fordert eine "Wahrheitskommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im kirchlichen Kontext". (Symbolbild)
Die SPD fordert eine "Wahrheitskommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im kirchlichen Kontext". (Symbolbild)  © Frank Rumpenhorst/dpa

Zwar begünstige das Zölibat Missbrauch eher indirekt, schreibt der Jurist in einer Stellungnahme an den nordrhein-westfälischen Landtag zum Thema Missbrauchstaten im Kirchen-Kontext. "Denn Sexualdelikte resultieren in ihrer großen Mehrheit gerade nicht aus fehlgeleiteter Sexualität."

Eine indirekte Wirkung könne sich aber daraus ergeben, "dass die Verpflichtung zur Ehelosigkeit Personen anziehen könnte, die ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Sexualität haben".

Solche Probleme würden bislang jedoch weder in der Priesterausbildung systematisch thematisiert noch in ihrer anschließenden Tätigkeit, weil die Berufung zur Ehelosigkeit gleichsam mit der Berufung zum Priesteramt vorausgesetzt werde.

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Dies sei korrekturbedürftig, mahnte der Rechtswissenschaftler von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Die Kinderschutzkommission des Düsseldorfer Landtags hat für den 2. März zu einer Experten-Anhörung geladen. Grundlage ist ein Antrag der SPD-Opposition zu einer wirksameren und nachhaltigeren Aufarbeitung von Missbrauchstaten.

Katholisches Büro begrüßt staatliche Anstrengungen zum Kinderschutz

Die SPD fordert unter anderem einen unabhängigen Kinderschutz-Beauftragten sowie eine "Wahrheitskommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im kirchlichen Kontext".

Darüber hinaus solle sich die Landesregierung im Bundesrat dafür starkmachen, das Strafgesetzbuch um die Strafbarkeit des sexuellen Missbrauchs im Seelsorgeverhältnis zu erweitern.

Das Katholische Büro Nordrhein-Westfalen begrüßt in seiner Stellungnahme zusätzliche Stellen und staatliche Anstrengungen, die dem Kinderschutz, der Prävention und der Aufklärung von Missbrauch dienen. Die katholische Kirche werde alles rechtlich Mögliche dazu beitragen.

Titelfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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