Missbrauch von Kindern: Täter schaut per Livestream zu

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Von Irena Güttel

Nürnberg - Es ist ein unfassbares Verbrechen: Ein Mann aus Bayern soll eine Frau auf den Philippinen beauftragt haben, gegen Geld den sexuellen Missbrauch von ihrer minderjährigen Tochter zu filmen.

Dass Täter Kinder im Ausland über das Internet missbrauchen, ist kein Einzelfall. (Symbolbild)
Dass Täter Kinder im Ausland über das Internet missbrauchen, ist kein Einzelfall. (Symbolbild)  © Monika Skolimowska/dpa

Teilweise soll er der Acht- bis Elfjährigen sogar per Livestream zugeschaut und konkrete Anweisungen gegeben haben. Über drei Jahre soll das Ganze gegangen sein, so die Anklage.

Nun beginnt am 7. Juli in Nürnberg der Prozess gegen den 53-Jährigen aus dem mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt. Sein Fall steht Fachleuten zufolge exemplarisch für ein Massenphänomen, das erst die moderne Technik ermöglicht hat. 

Die Organisation International Justice Mission (IJM) kämpft seit fast drei Jahrzehnten gegen moderne Sklaverei und sexuelle Ausbeutung von Kindern. Anfangs sei es dabei um Verbrechen in der Realität gegangen, erläutert Martin Lewerentz vom IJM Deutschland. So habe es etwa auf den Philippinen ganze Viertel gegeben, wo Kinder zur Prostitution gezwungen worden seien. 

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"Das hat sich ins Internet verlagert", sagt Lewerentz. Für die Pädokriminellen sei das Entdeckungsrisiko dadurch deutlich geringer, und sie müssten nur vergleichsweise geringe Beträge zahlen, um an die gewünschten Missbrauchsdarstellungen zu gelangen. Dadurch sei diese Art der sexuellen Ausbeutung von Kindern zu einem Massenphänomen geworden. 

Kinder in Philippinen systematisch von Tätern aus Deutschland missbraucht

Die Täter gegen den Angehörigen Anweisungen und müssen für Bilder und Videos kaum Geld zahlen. (Symbolbild)
Die Täter gegen den Angehörigen Anweisungen und müssen für Bilder und Videos kaum Geld zahlen. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

Bei den zahlenden Auftraggebern handelt es sich nach IJM-Angaben überwiegend um Männer aus Europa, Nordamerika oder Australien. Deutschland sei dabei ein zentrales Nachfrage-Land, sagt Lewerentz.

In der Regel stellen die Täter nach Angaben des Bundeskriminalamts über soziale Netzwerke, Datingseiten, Chatforen oder Cam-Sex-Plattformen Kontakt zu den filmenden Anbietern her.

Dabei handelt es sich der World Childhood Foundation nach häufig um die Eltern, vertraute Verwandte, Freunde oder Nachbarn. Die Philippinen seien ein Schwerpunkt für diese Verbrechen, ähnliche Strukturen gebe es aber auch in anderen Ländern Südostasiens und Lateinamerikas. 

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Laut einer Studie der IJM waren 2022 fast eine halbe Million Kinder betroffen. Im Durchschnitt sind diese laut Lewerentz elf Jahre alt. Auch sehr kleine Kinder seien betroffen. Die zentrale Motivation ist nach IJM-Angaben meist Geld. Ein Livestream von den Philippinen kostet demnach umgerechnet etwa 9 bis 36 US-Dollar. Hinzu komme ein gefährlicher Irrglaube, sagt Bader. "Weil kein körperlicher Kontakt zur auftraggebenden Person besteht, reden sich Beteiligte ein, es sei keine "echte" Gewalt."

Das stimme aber nicht: Sowohl der Auftraggeber als auch die Anbieter begingen sexualisierte Gewalt. 

Titelfoto: Monika Skolimowska/dpa

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